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Lagergottesdienst beim Zeltlager der Jugendfeuerwehren des Landkreises Bad Kissingen am 21.9.1996 in Hammelburg

von Pfarrer Klaus Kuhn, Poppenlauer (Bayern)

Begrüßung:

Wir beginnen diesen GD im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Liebe Kameradinnen und Kameraden der Jugendfeuerwehren!

Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dieses Zeltlagers!

Liebe Eltern! Liebe Gäste!

Herzlich willkommen zu diesem Lager-GD der Jugendfeuerwehren unseres Landkreises. Es ist mittlerweile eine gute Tradition, bei diesen Zeltlagern miteinander einen GD zu feiern.

Ihr, die Ihr an diesem Zeltlager teilnehmt, habt eines sicherlich schon gemerkt: so ein Zeltlager wird nur dann ein Erfolg, wenn alle mit anpacken, wenn jede und jeder von euch bestimmte Aufgaben erledigt und mit anpackt. Und das ist nicht nur hier so, sondern überall: ob zuhause oder in der Schule, ob im Verein oder zuhause bei Euren Jugendfeuerwehren. Nur miteinander haben wir Erfolg, gelingt das Leben und macht Spaß.

Darüber wollen wir bei diesem Lager-GD miteinander nachdenken, und dazu wünsche ich uns Gottes Segen.

Gebet:

Lasst uns beten:

Herr, unser Gott, wir danken dir, dass du immer wieder neu mit uns anfängst. Es tut uns gut zu wissen, dass uns kennst und verstehst. Hilf uns, dass wir uns bemühen, einander zu verstehen und aufeinander zuzugehen. Das bitten wir dich, der du der Weg, die Wahrheit und das Leben bist. Amen.

Lesung: Prediger 4,9-12

Predigt über 1 Kor 12,12.14-20:

"Wasserentnahmestelle der Unterflurhydrant

Verteiler am markierten Punkt

zum Einsatz fertig!"

So ungefähr, liebe Kameradinnen und Kameraden der Jugendfeuerwehren, liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Zeltlagers, liebe Eltern und Gäste, so ungefähr lautet der erste Befehl des Gruppenführers bei einer Leistungsprüfung, die in allen Feuerwehren unseres Landkreises alle zwei Jahre durchgeführt werden.

Wenn dieser Befehl erteilt ist, weiß jeder in der Mannschaft, was er zu tun - und zu lassen hat:

* der Gruppenführer leitet den Einsatz seiner Gruppe und erteilt die Befehle;

* der Maschinist bedient die Pumpe sowie Sonderaggregate;

* der Melder übermittelt Nachrichten und übernimmt besondere Aufgaben, z.B. die Bedienung des Verteilers;

* der Angriffstrupp rettet und nimmt das erste Rohr vor;

* der Wassertrupp stellt die Wasserversorgung bis zum Verteiler her und wird dann 2. Angriffstrupp;

* der Schlauchtrupp stellt die Wasserversorgung zwischen Verteiler und den Rohren her und wird dann 3. Angriffstrupp.

Wenn die Mannschaft geübt hat, dann klappt alles wie am Schnürchen. In 130 - 160 Sekunden sind alle Leitungen gelegt und alle Eimer umgespritzt - und die Löschgruppe hat ihre Leistungsprüfung bestanden.

Wenn aber nur ein einziger patzt oder sich nicht an die Befehle des Gruppenführers hält, kann die ganze Gruppe bei der Leistungsprüfung durchfallen.

* Es könnte ja sein, dass der Melder sagt: "Ich habe keinen Bock, den Verteiler zu bedienen. Diese Aufgabe ist mir viel zu langweilig. Ich wäre viel lieber Angriffstruppführer oder -mann. Da ist wenigstens action geboten und ich kann etwas erleben." Würde ein Melder so denken und handeln, käme das Wasser nur bis zum Verteiler - und dann wäre sense.

* Oder der Wassertrupp meint: "Wieso sollen wir uns denn die Lunge aus dem Hals rennen. Wir gehen die ganze Sache einmal ganz ruhig an. Nur keine Hektik." Und dann nehmen die zwei seelenruhig ihre B-Schläuche und spazieren gemütlich zum Unterflurhydranten bzw. zwischen Pumpe und Verteiler hin und her. Bei solch einer Einstellung müssten Angriffs- und Schlauchtrupp lange warten, bis sie mit dem Löschangriff starten könnten.

* Oder der Angriffstrupp hält sich nicht an den Befehl des Gruppenführers. Wenn dieser befiehlt:

"Angriffstrupp zum Umspritzen des linken Eimers mit dem 1. C-Rohr über den Platz zum markierten Punkt vor!"

aber der Angriffstrupp nicht daran denkt, den linken Eimer umzuspritzen, sondern die Schiedsrichter nass spritzt, dann muss man kein Hellseher sein, um zu wissen, wie das Ergebnis dieser Leistungsprüfung ausfällt. Die Löschgruppe erhält allenfalls einen Sonderpunkt in Sachen Faschingsscherz, aber nie und nimmer ihr Leistungsabzeichen.

Ich denke, diese Beispiele machen klar: bei uns in der Feuerwehr funktioniert nur etwas, wenn jeder genau weiß, was er zu tun hat und es auch tut. Jede und jeder einzelne an seinem Platz ist wichtig. Gewiss, es gibt attraktive und weniger attraktive Aufgaben. Aber wenn auch nur ein einziger seine Aufgabe nicht so erfüllt, wie er es soll, dann geht es schief.

Diesen Zusammenhang hat jedoch nicht die Feuerwehr entdeckt. Der ist schon alt. Der steht schon in der Bibel, genauer gesagt im 1. Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in der griechischen Hafenstadt Korinth. In dieser Gemeinde gab es viele ganz unterschiedliche Leute: arme und reiche, kluge und weniger kluge, Herren und Sklaven, Männer und Frauen. Und die alle gehörten zur Gemeinschaft der Heiligen, die waren alle Christen, die feierten miteinander GD - am Sonntag, aber werktags gingen sie ihre eigenen Wege. Und aus diesen ganz unterschiedlichen Gruppen eine Gemeinde zu bilden, war schwer. Da gab es immer wieder Zoff, weil - um im Bild zu sprechen - die Reichen gerne die Gruppenführer sein wollten und die Armen die Schläuche verlegen und hinterher wieder zusammenrollen sollten.

Paulus versucht in diesem Brief, den Christen damals wie heute das eine deutlich zu machen: Ihr gehört doch zusammen. Ihr seid doch eine Mannschaft. Jede und jeder ist gleich wichtig. Wenn auch nur einer fehlt oder auch nur eine ihre Aufgabe nicht erfüllt, dann läuft bei euch gar nichts oder aber es läuft alles schief.

Ich lese ein paar Zeilen aus diesem Brief einfach einmal vor. Paulus schreibt (1 Kor 12,12.14-20):

Textlesung

Ich will diese Zeilen einmal so umschreiben, als würde Paulus sie heute an die Löschgruppe einer Freiwilligen Feuerwehr richten. Vielleicht hört sich dann sein Brief ungefähr so an:

"Liebe Feuerwehrleute. Man kann eure Löschgruppe mit einem Körper vergleichen, der viele Glieder hat. Ein Körper besteht nicht aus einem einzigen Teil, sondern aus vielen Teilen.

Wo kämen wir denn hin, wenn der Maschinist erklärt:' Ich gehöre nicht zur Löschgruppe, weil ich nicht Angriffstruppführer sein darf'?

Wo kämen wir denn hin, wenn der Schlauchtruppmann sagt: 'Ich mache nur mit, wenn ich Melder sein darf, weil ich da nicht rennen muss'?

Wie kann eine Löschgruppe denn löschen, wenn alle nur Angriffstrupp sein wollten, aber keiner die Leitungen und Schläuche verlegen will? Das ganze wäre dann keine Feuerwehr mehr, sondern höchstens noch eine "Feierwehr". Die könnte man zu nichts mehr gebrauchen.

Aber weil ihr "ja" sagt zu eurer Löschgruppe und zur Feuerwehr, darum erfüllt jeder die Aufgabe, die ihm zugewiesen wird - ob sie ihm nun gerade Spaß macht oder nicht. Hauptsache, jeder gehört dazu und macht mit."

Das hört sich in der Theorie ganz gut an, aber in der Praxis gibt es da hin und wieder Schwierigkeiten. Denn wenn einige ihre Aufgabe nicht so erfüllen, wie sie sollen, dann tritt das ein, was in vielen Bereichen unserer Gesellschaft heute zu beobachten ist: einige wenige machen fast alles - und die andern kommen nur zum feiern oder wenn's Freibier gibt. Auf Dauer geht das nicht gut. Darum tut es gut, wenn wir uns von Paulus immer wieder daran erinnern lassen: wer zu einem Körper, zu einer Gemeinschaft, gehört, der ist wichtig, der wird gebraucht, der darf nicht fehlen. Dazu braucht es Geduld und einen langen Atem. Und die wünsche ich uns allen immer wieder neu - in unseren Gemeinden und in unseren Feuerwehren.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserm Herrn. Amen.

Fürbitten:

Gott, unser Vater,

wir danken dir, dass wir zu dir kommen dürfen so, wie wir sind, mit allem, was uns bewegt und ausmacht. Wir danken dir, dass du uns dienst mit dem, was wir brauchen. Du erneuerst unser Leben, du stärkst unsere Hoffnung, du gibst unserem Glauben frischen Wind.

Herr, erbarme dich!

Wir bitten dich für alle, die deinen Namen tragen: schenke ihnen mutmachende Erfahrungen im Glauben und Begegnungen mit dir. Gib ihnen Mut, nach deinen Geboten zu leben und sich im Alltag zu dir zu bekennen.

Herr, erbarme dich!

Wir bitten dich für alle, die nicht mehr glauben können oder wollen, weil sie Schweres erlebt haben. Mach sie offen für die Zeichen deiner Nähe. Führe sie mit Menschen zusammen, die ihre Beziehung zu dir glaubwürdig leben.

Herr, erbarme dich!

Wir bitten dich für alle, die sich stark fühlen im Glauben. Lass sie nicht überheblich werden, sondern mach sie bereit, ihre Erfahrungen mit anderen zu teilen.

Herr, erbarme dich!

Wir bitten dich für alle, die es schwer haben im Leben: die Alten, die Kranken, die Sterbenden. Sei ihnen nahe mit deiner Güte und begegne du ihnen in den Menschen, mit denen sie zusammenleben.

Herr, erbarme dich!

All unsere Bitten fassen wir zusammen in dem Gebet, das uns dein Sohn zu beten gelehrt hat: 

Vater unser.....


Für das Internet bearbeitet von Hanjo v.Wietersheim am 18.07.2001.

Mit freundlicher 
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