ANDACHT
Gehalten
vom JUH-Landespfarrer Gerhard Küfner anlässlich einer Sitzung des Beirat
Notfallseelsorge am 12.02.2004 in München.
Wochenspruch :
„Wir
liegen vor dir mit unserem GEBET, nicht auf unsre GERECHTIGKEIT, sondern auf
deine große BARMHERZIGKEIT“ .
(Daniel 9, 18)
Der
Wochenspruch kommt einem - ehrlich eingestanden - schwer über die
Lippen, weil man ja die „Gänsefüßchen“ nicht mitsprechen kann, die darauf
hinweisen, dass es sich hier um ein ZITAT von anderen und nicht um einen
TATSACHENBERICHT handelt, der UNSER ALLER UNTERSCHRIFT trägt !
Ja selbst
den Propheten DANIEL möchte man skeptisch fragen, ob er den Mund nicht ein wenig
zu voll nimmt, wenn er in seiner vor GOTT vorgetragenen BUSS-BILANZ 8 mal
und mehr von „WIR“ spricht, statt von einem bescheideneren „ICH liege vor
dir mit meinem Gebet...“ !
Aber
vielleicht ist auch bei ihm, wie bei uns Pfarrern nicht selten auch zu
beobachten, „Der WUNSCH der Vater des Gedankens“ ODER er hat sich
zum „pluralis majestatis“ verleiten lassen! – SCHÖN wär´s jedenfalls
schon, wenn auch WIR glaubhaft und überzeugt, von „UNSEREM GEBET“ sprechen
könnten!
Aber ich
will mich nicht bei mehr äußerlich erscheinenden Verständnisbeobachtungen
aufhalten, damit das eigentliche ANLIEGEN DES DANIEL- TEXTES
nicht auf der Strecke bleibt.
Und das ist
für mich die FRAGE AN UNS :
„WAS IST
UNS BEI UNSERER ARBEIT ALS DIENERN DES WORTES GOTTES UND SEINER
SEELSORGE IM GEIST SEINES SOHNES JESUS CHRISTUS EIN GEBET DER BUSSE WERT UND WO
FINDET ES NOCH GEBÜHRENDE BEACHTUNG??“
Angesichts
der heutigen Tagesordnung und der “unbedingt essentiell wichtigen THEMEN für
unsere Runde“, fühle ich mich mit meinem Angebot zur Besinnung auf das, was
einem DANIEL für SEINE ZEIT EXISTENTIELL WICHTIG war, wie von einem
anderen Stern kommend.
„Ich betete
aber zu dem HERRN, meinem GOTT, und sprach:
WIR haben
gesündigt, unrecht getan, sind gottlos gewesen und abtrünnig geworden, WIR sind
von deinen Geboten und Rechten gewichen.
WIR hörten
nicht auf DEINE BOTEN, die in deinem Namen unserer Obrigkeit und allem Volk im
Lande predigten.
DU, HERR,
bist gerecht.
WIR aber
müssen uns schämen..... dass wir uns an DIR versündigt haben!“
Kann sich
einer von uns ernsthaft vorstellen, dass in dem Meer von Berichten, Bilanzen,
Konzeptionen, Kritiken oder Tagesordnungen für Synoden, Dekanatskonferenzen und
Kirchenvorstandssitzungen von „UNRECHT GETAN, GOTTLOS GEWESEN,
ABTRÜNNIG GEWORDEN, VON DEN GEBOTEN GOTTES ABGEWICHEN, GESÜNDIGT" u.a.m.
geredet würde???
Ganz zu
schweigen, dass es einmal einer/m Gesprächsteilnehmer/in einfiele, davon zu
reden, dass es Anlässe gibt, wo KIRCHE sich zu „SCHÄMEN“ allen Anlass hätte!
Ich
fürchte, dass sich die Stimme von Landesbischof MEISER
einem Pfarrer KARL STEINBAUER mit der ihm eigenen „prophetischen Zeitdeutung“
gegenüber wiederholen könnte, die damals lautete:
„Was sie
hier sagen, ist theologisch alles sehr fein, ABER WIR MÜSSEN MIT
DEN GEGEBENEN TATSACHEN RECHNEN“ ! - Damals ging es um den
Nationalsozialismus. -
Welchen „
gegebenen Tatsachen “, so frage ich UNS, wollen WIR den VORRANG geben vor
der GEWISSENSHERAUSFORDERUNG UNSERES GOTTES bei unserem Besinnen auf das,
was „EIGENTLICH NOT TUT“ in unserem Tun ?
„WIR LIEGEN
VOR DIR MIT UNSEREM GEBET “ - hat solch ein zur Bußbilanz hin offenes
Bekenntnis unter uns „NOTFALLSEELSORGERN“ eine Platz ?
Ich habe
einen Kollegen nach seiner einjährigen Erfahrung mit dem SEELSORGEDIENST
nach der Praxis vollzogenen BETENS gefragt und habe zur Antwort bekommen: „BETEN
am Einsatzort? Fehlanzeige!“
Nur bei
einer nachfolgenden Trauerarbeit, da wo es um „TOD“ geht, ist auch dem „BETEN“
eine Chance gegeben.
„Wie sind
wir ganz praktisch bemüht darum, dass angesichts von um sich greifender
Unkirchlichkeit und fehlender Verwurzelung in einem christlichen
religiösen URFELD Menschen der WIRKLICHKEIT GOTTES gewiss bleiben oder
wieder werden, um an seiner Hand mit LEID UND TOD in der HOFFNUNG ZUM LEBEN IN
CHRISTUS fertig zu werden ? ?
Gibt es zu
diesem Thema in unseren Fortbildungen Impulse?
Ich möchte
uns alle gern zum Nachsinnen über die Frage anregen, die im letzten Pfarrerblatt
SIEGFRIED SUNNUS an seine Leser gestellt hat:
„WOZU HAT UNS DAS STUDIUM DER
THEOLOGIE BEFÄHIGT“ ?
Er beklagt
den Verlust an intellektueller Klarheit und Präzision im Umgang mit den
Überlieferungen des christlichen Glaubens. .“..Allgemeine Ignoranz in
Glaubensdingen, die Unkenntnis der eigenen Konfession sind salonfähig geworden.
In manchen Kreisen gehören sie fast schon zum guten Ton“, resümiert er.
Und er
zitiert einen Emeritus mit den Worten : „WER KANN DENN DAS,
WAS WIR DAUERND MACHEN ?"
„KÖNNEN“
tun wir es sicher nie, auch wenn wir uns des Anscheins darüber oft sicher sind.
ABER :
„UNS UM GLAUBWÜRDIGES LEBEN AUS DER BARMHERZIGKEIT GOTTES
BEMÜHEN ..... DAS KÖNNEN ....und das SOLLEN WIR AUCH“!!!
Und dazu
macht uns das Prophetenwort MUT !
Es ist an
jedem von uns, einander brüderlich behilflich zu sein, wieder
zuversichtlicher und hoffnungsvoller auf UNSERES GOTTES BARMHERZIGKEIT UND
KRAFT zu setzen, statt uns gegenseitig in den vorgetragenen Bilanzen „UNSERER
GERECHTIGKEIT“ übertreffen zu wollen.
„Befähigen
wollte uns doch unser Studium, DEM ANGEBOT DER LIEBE UND DER HOFFNUNG
UNSERES GOTTES IN JESUS CHRISTUS AUF DER SPUR ZU
BLEIBEN UND ANDERE AUF DIESE SPUR ZUM LEBEN EINZULADEN !“
Unsere
SITZUNGEN könnten „GEISTLICHE TÜV-FUNKTION „ für unsere
THEOLOGISCHE BEFÄHIGUNG sein zum Segen der uns Anvertrauten und für UNS !
A M E N
Für das Internet bearbeitet von Hanjo
v. Wietersheim
am 22.02.2004.
|