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Pfarrer Klaus Kuhn
Gottesdienst und Predigt beim Ökumenischen
Zeltgottesdienst zum 120-jährigen Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr
Poppenlauer an Trinitatis - 29. Mai 1994
Begrüßung:
Wir feiern diesen GD im Namen... Liebe Feuerwehrkameraden, liebe Festgemeinde, vor 120 Jahren wurde die FFW Poppenlauer gegründet. Seit damals sind Männer unter dem Motto angetreten: "Gott zur Ehr - dem Nächsten zur Wehr." Ihr Ziel war es, Leib und Leben, Hab und Gut derer zu schützen, zu bewahren, die von Feuer oder anderen Unglücken bedroht oder gar getroffen waren. Diese Hilfe für andere, diese Hilfe für jedermann, der Hilfe braucht, ohne Ansehen der Person, stellt Jesus uns als beispielhaft vor Augen, z.B. im Gleichnis vom barmherzigen Samariter. Solche Hilfe ist nicht selbstverständlich, aber sie ist christusverständlich. Darum ist es gut, wenn wir heute mit unseren Feuerwehrleuten zusammen einen GD feiern, wenn wir sie und uns ermutigen, christusverständlich zu leben, wenn wir für sie und ihren Dienst beten und Gottes Segen erbitten.
Einen feurigen GD wünsche ich uns allen. Liebe Feuerwehrkameraden!
Liebe Festgemeinde! (Knoten in ein Taschentuch machen) So sagen wir manchmal, um einen anderen daran zu erinnern, dass er etwas Wichtiges nicht vergessen soll, dass etwas vor lauter Hektik nicht untergehen darf, z.B. ein wichtiger Termin oder eine Besorgung.
"Mach dir einen Knoten ins Taschentuch!" Bestimmt
haben Sie alle schon einmal andere oder sich selbst mit diesem Sprichwort
ermahnt, etwas Wichtiges nicht zu vergessen.
Solche Knoten gegen das Vergessen sind wichtig für
uns.
Solche Knoten gegen das Vergessen sind auch wichtig
für die Feuerwehr. Immer wieder werden sie geübt, die verschiedenen Knoten und
Stiche, damit man nicht vergisst, wie sie geschlagen oder gestochen werden,
damit man sie kann, wenn es Ernst wird und sie gebraucht werden. Die Knoten
müssen sitzen - bombenfest - , denn in der Hektik des Einsatzes bleibt keine
Zeit, lange zu überlegen, wie der jeweilige Knoten geschlagen wird.
Es gibt viele verschiedene Knoten bei der Feuerwehr.
Sie können und wollen uns etwas Wichtiges sagen, was weder wir Feuerwehrleute
noch Sie, liebe Festgemeinde, vergessen sollen.
1. Da ist zunächst einmal der Zimmermannsschlag.
(Zimmermannsschlag machen)
Seine ursprüngliche Aufgabe bei den Zimmerleuten
besteht darin, dass zu Zeiten, als es noch keine Kräne gab, Latten und Bretter
mit Hilfe dieses Knotens zusammengebunden und nach oben gezogen werden konnten,
ohne dass man Angst haben musste, der Knoten würde sich auflösen.
Bei der Feuerwehr dient der Zimmermannsschlag dazu,
einen Feuerwehrmann, der in ein brennendes Haus - mit schwerem Atemschutz -
eindringt, um z.B. Menschen zu retten, am Oberarm zu sichern, damit die
Verbindung nach draußen, von wo aus er gesichert wird, nicht abreißt.
Der Zimmermannsschlag ist aber auch ein Knoten gegen
das Vergessen: er erinnert uns an Jesus und sein Lebensprogramm. Er hat für uns
alle die Kastanien aus dem Feuer geholt, indem er für uns freiwillig in den Tod
gegangen ist, damit der Tod für uns nicht das Ende, sondern d e r Anfang ist,
der Anfang eines Lebens bei und mit Gott. Wir alle tragen durch unsere Taufe den Namen dieses Zimmermannssohnes aus Nazareth. Sein Lebensprogramm will in unserem Alltag und in unserem Verhalten seine Fortsetzung finden. Einer, der das Lebensprogramm Jesu umgesetzt hat, war der Schutzpatron der Feuerwehrleute, der hlg. Florian: er wird dargestellt als römischer Offizier mit Helm und Fahne, ein Wassergefäß in der Hand, mit dem er das Feuer eines brennenden Hauses löscht.
Florian lebte im heutigen Österreich z. Zt. der ersten
Christenverfolgungen um 300 n.Chr. Viele Christen waren verhaftet worden und,
weil sie von ihrem Glauben nicht abfallen wollten, warteten sie auf ihren Tod.
Florian hört davon und macht sich auf den Weg dorthin, um ihnen beizustehen. Er
ist bereit, in diesen "Feuerofen" zu gehen. Unterwegs begegnen ihm Soldaten, die
Christen aufspüren sollten. Florian bekannte sich - als er von ihrem Auftrag
hörte - offen als Christ und ließ sich gefangen nehmen. Er wurde gefoltert und
dann ertränkt, als er sich standhaft weigerte, von seinem Glauben abzufallen.
Doch er beherrschte den Zimmermannsschlag für seine Brüder und Schwestern: er
besucht sie und macht ihnen Mut.
2. Der zweite Knoten ist der Rettungsknoten.
(Rettungsknoten machen) Der Rettungsknoten dient bei der Feuerwehr dazu, einen Menschen z.B. vom Dach eines Haus oder einem hohen Stockwerk so herunterzulassen, dass ihm nichts geschieht, sondern dass er gerettet wird. Dieser Knoten ist wohl der schwierigste Knoten, den es bei der Feuerwehr gibt, doch zugleich ist er im Ernstfall der wichtigste. Dieser Knoten muss so gut sitzen, damit das Leben des andern gerettet werden kann. Auch der Rettungsknoten ist ein Knoten gegen das Vergessen. Denn er steht als Bild für den Auftrag Jesu: "Ich bin gekommen, zu suchen und zu retten, was verloren ist." Jesus ist gekommen, um uns zu retten - vor dem Bösen, vor dem Tod. Er legt das Rettungsseil um uns herum und schlägt den Rettungsknoten. Nun liegt es an uns, ob wir uns retten lassen oder nicht. Für jemanden, der auf dem Dach eines brennenden Haus sitzt, die der Rettungsknoten bisweilen die einzige Möglichkeit, sich retten zu lassen - oder aber umzukommen. Doch gerade letzteres soll mit dem Rettungsknoten verhindert werden.
Der Rettungsseil Jesu ist das Kreuz, der
Rettungsknoten unser Glaube. Ein jüdische Gelehrter hat Glauben einmal so
umschrieben: Glauben heißt, so wie sich ein Efeu am Mauerwerk festkrallt, so
will mich mein Glaube an Gott festmachen. Und es ist schwer, eine Efeuranke vom
Mauerwerk loszureißen. Glauben heißt also, ich hänge mich ganz fest an Gott hin.
Ich übernehme das Lebensprogramm Jesu für mein Leben, ich lebe als Getaufter.
3. Der dritte Knoten gegen das Vergessen ist der
Kreuzknoten.
(Kreuzknoten machen) Bei der Feuerwehr dient er dazu, zwei Seile untrennbar miteinander zu verbinden. Solange beide Seilenden gespannt bleiben, hält der Kreuzknoten, und er kann nur gelöst werden, wenn mindestens ein Seilende gelockert wird.
Dieser Knoten erinnert daran, die Verbindung mit Jesus
Christus aufrecht zu erhalten. Jesus hat alles getan, damit mein Leben gelingen
kann. Er kommt uns mit offenen, ausgebreiteten Armen entgegen. Doch bisweilen
haben wir Bedenken oder Zweifel, ob es sich wirklich lohnt, sich auf ihn
einzulassen. Dann stehen wir in Gefahr, das Seil unseres Glaubens zu lockern
oder fallen zu lassen.
Der Kreuzknoten lädt uns ein, über unsere Beziehung zu
Jesus neu nachzudenken und das vielleicht gelockerte Seil wieder fest
anzuziehen.
Liebe Feuerwehrkameraden,
liebe Festgemeinde, Ich wünsche uns allen, dass wir alle miteinander immer wieder anfangen, diese Knoten zu üben, um einem anderen zu helfen, um unser Leben an Jesus Christus festzumachen, um in Beziehung zu ihm zu bleiben. Um das Wichtige nicht zu vergessen: "Mach dir einfach einen Knoten ins Taschentuch." Amen. Für das Internet bearbeitet von Hanjo v.Wietersheim am 18.07.2001. |
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