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Predigt, gehalten beim 125-jährigen Jubiläum der FF Neuses am Berg von Pastoralreferentin NN aus Dettelbach.Lesung: Matthäus 16, 24-27Z e i tLiebe Schwestern und Brüder, in der Wochenzeitung "Die Zeit" konnte man kürzlich lesen: "Man lade sechs Personen zu einer wichtigen Besprechung ein. Wenn sie alle auf Anhieb kommen, sind es die verkehrten Leute." Demnach erkennt man einen Menschen, der Gewicht hat, der etwas ist, nicht am Auto, nicht an seinem Haus, nicht an seiner Kleidung, sondern am Terminkalender. Wer nicht dauernd auf die Uhr schaut, wer Zeit hat, bei dem stimmt etwas nicht. Keine Zeit haben ist in. Zeit haben scheint etwas zu sein, das zum heutigen Menschen gar nicht mehr dazugehört. Ich weiß nicht, ob Sie sich auch zu diesen Menschen rechnen, aber Sie werden mir wahrscheinlich zustimmen, dass es heute vielen so geht, dass ihre Zeit knapp ist. Und wenigstens manchmal gehören wir wohl alle dazu. Wenn ich hier von Zeit rede, dann meine ich die freie Zeit, die nicht durch Arbeit zum Lebensunterhalt fest verplant ist. Aber irgendetwas müssen ja auch Menschen, die keine Zeit haben, mit ihrer Zeit anfangen! Die Erfahrung zeigt: Für das, was uns wichtig ist, nehmen wir uns Zeit! Viele Menschen wollen - und das auch zu Recht - in ihrer freien Zeit endlich einmal das tun können, was ihnen Spaß macht. Und die Freizeitangebote in unserer Gesellschaft sind ja auch faszinierend. Da stellt sich für nicht wenige schon die Frage: "Was bringt mir der ehrenamtliche Dienst am Nächsten?" Hier konkret: Was bringt es mir, an Übungsstunden teilzunehmen, Geräte zu warten, mich bei Nacht und Nebel aus dem Bett holen zu lassen und sich im Ernstfall freiwillig in gefährliche und belastende Situationen zu begeben? Nicht wenige entscheiden sich angesichts dieser Tatsachen, ihre Zeit vor allem für sich selber einzusetzen, für ihr persönliches Fortkommen, für ihre Hobbies.
Gleichzeitig hören und lesen wir Klagen über eine
zunehmende "Ellenbogengesellschaft", in der jeder vor allem auf seine Interessen
sieht und sie - wenn nötig - auch mit Gewalt durchsetzt; eine Gesellschaft, in
der der Schwache, der notleidende Mensch der Verlierer ist. Und spätestens jetzt
ahnen wir, wie arm eine Welt wäre, die keine uneigennützigen Menschen mehr
besäße. Auch wenn es nur noch schwer vermittelbar ist, stimmt es, dass wir durch
den Dienst am Nächsten auch selber beschenkt werden. Dass der dankbare Blick
z.B. eines Notfallopfers uns für manche Ungelegenheit entschädigt. Dass es ein
frohes, ja beglückendes Gefühl ist, einem anderen geholfen zu haben, weil es
unserem Leben Sinn gibt.
Das Matthäus-Evangelium lässt Jesus sagen: "Was nützt
es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben
verliert?" Allerspätestens jetzt sollten wir aufhorchen: Wer will schon sein
Leben - gemeint ist das ewige Leben - verlieren? Die Bibel bietet dafür jedenfalls keinen Anhaltspunkt. Im Gegenteil: Am Nächsten führt kein Weg vorbei. Ja: Der Nächste ist der Weg zu Gott. Diese Botschaft wird uns z.B. im Gleichnis vom barmherzigen Samariter vor Augen gestellt. Jesus betont: Wer sein Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen. Dabei brauchen wir nicht nur an die eher seltenen Fälle denken, wo ein Helfer tatsächlich bei einem Notfalleinsatz stirbt. Leben lassen wir auch dort, wo im Einsatz für andere unsere Gesundheit bedroht ist oder wo uns ein Notfall "nur" Nerven, Kraft und Zeit kostet. Liebe Schwestern und Brüder, unsere Zeit ist uns von Gott geschenkt. Es geht nicht darum sie einfach nur zu vertreiben oder sie totzuschlagen, wie man so schön sagt. Wir werden eines Tages über den Umgang mit unserer Zeit Rechenschaft vor Gott ablegen. Den Maßstab hat uns Jesus heute im Evangelium genannt, die Bereitschaft, sein Leben um Jesu willen einzusetzen und zu verlieren. Darin sollten wir uns nie entmutigen lassen. Gib es denn etwas Sinnvolleres, als unsere Zeit für unseren Nächsten einzusetzen und so an einer menschlicheren Welt mitzubauen? Einstieg zur Predigt: aus "Gottesdienste mit Kindern und Jugendlichen" Verlag Bergmoser und Höller Zuletzt überarbeitet von Hanjo v.Wietersheim am10.08.99. |
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