|
|
|
Ansprache beim Totengedenken des BR-KV Nürnberg
am 22.08.1993
Liebe Kameradinnen und Kameraden,
sehr geehrte Damen und Herren,
1. Thessalonicher 4,14
...wenn wir glauben,
dass
Jesus gestorben und auferstanden ist, dann glauben wir auch,
dass
Gott die, die entschlafen sind, durch Jesus zusammen mit ihm auferwecken wird.
Dies schrieb der Apostel Paulus an die Christen in Thessaloniki. Er bestärkt sie
in dem gleichen Glauben, den auch wir haben:
Jesus Christus ist auferstanden, deshalb werden auch wir vom Tod auferstehen.
Ich denke, es ist gut, wenn wir regelmäßig zusammenkommen, um an die Menschen zu
denken, mit denen wir zusammen gelebt und gearbeitet haben und die uns im
Sterben vorausgegangen sind. Sie gehören nach wie vor zu uns. Zum einen, weil
sie wie wir an die Auferstehung geglaubt haben und weil sie im Leben und im
Sterben in Gottes Hand waren, zum anderen, weil sie die gleichen Ideale hatten,
die auch wir heute vertreten:
Sie versuchten zu ihrer Zeit den Menschen dort zu helfen, wo es nötig war und wo
sie es konnten.
Henri Dunant, der Gründer des Roten Kreuzes, konnte zu seiner Zeit verfeindete
Menschen und Nationen davon überzeugen, dass wir alle Brüder sind, dass allen in
Not geratenen Menschen geholfen werden muss, egal welcher Rasse, Nation,
Hautfarbe oder Religion sie angehören.
“Tuti fratelli!” Wir sind alle Brüder!
Das war Henri Dunants Motto nach der Schlacht von Solferino. Und die Menschen
damals haben es gehört. Widerwillig zuerst und zögernd, aber dann immer
begeisterter und tatkräftiger.
Ich wünschte mir, wir hätten heute einen Henri Dunant im ehemaligen Jugoslawien,
in Somalia im Libanon und in Hoyerswerda, der die Sprache der Menschen spricht
und die Herzen der Verfeindeten und Hassenden erreicht. Unmenschlichkeit und
Grausamkeit gibt es nicht nur in den Kriegsgebieten, sondern auch hier, in
unserem Land, in unserer Stadt. Die Ereignisse der letzten Monate sprechen eine
erschreckend deutliche Sprache.
Aber wir haben keinen Henri Dunant hier. Deshalb liegt es an uns, den Gedanken
der weltumfassenden Geschwisterlichkeit überall dorthin zu bringen, wo wir tätig
werden.
Das fängt an bei ganz alltäglichen Diensten, auf Sanitätswachen und im
Sozialdienst und das hört bei Einsätzen in Katastrophen- und Kriegsgebieten noch
nicht auf. Überall, wo wir sind, wollen wir gemäß unserem Glauben und gemäß den
Idealen des Roten Kreuzes in Wort und Tat bezeugen, dass alle Menschen Brüder
sind und dass jeder einzelne so viel wert ist, dass wir ihm helfen und in seiner
Not beistehen.
Wenn wir so leben und arbeiten, dass dieser Grundsatz immer wieder deutlich wird
und aufscheint in unseren Worten und Taten, dann leben wir nicht nur gemäß den
Idealen der Menschen, an die wir heute denken, sondern wir können dann auch
sicher sein, dass wir damit Gottes Willen tun. Denn er hat jeden Menschen mit
einer unvergleichlichen Würde und mit dem unverletzlichem Recht zum Leben
ausgestattet.
Dafür
wollen wir Gott danken und ihm unsere Nöte und Sorgen vorbringen.
Lasst
uns beten:
Gott unser Bruder und Herr,
du hast alle Menschen zu deinem Ebenbild geschaffen. Du willst, dass jeder in
Recht und Würde leben kann.
Wir bitten dich für die, die in Not sind; in den Kriegs- und
Katastrophengebieten, dort, wo sie unter Hass und Menschenverachtung leiden, wo
ihnen die elementarsten Rechte genommen werden.
Behüte sie in deiner Liebe, schicke ihnen Menschen, die ihnen helfen, die ihre
Stimme für die erheben, die sprachlos gemacht wurden.
Sei bei all denen, die in den verschiedenen Hilfsorganisationen bereit sind,
anderen zu helfen. Stärke sie in ihrem Willen zum Guten und behüte sie bei allen
Einsätzen.
Wir danken dir für die Menschen, an die wir heute denken, die uns im Glauben und
im Helfen Vorbilder geworden sind. Nimm sie auf in dein Reich und schenke ihnen
die Gnade deiner Liebe.
Alle unsere Gebete fassen wir zusammen in dem Gebet, das Jesus uns gelehrt hat.
Wir beten gemeinsam:
Vater unser im Himmel ...
|