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Gottesdienst zum I00-jährigen Bestehen
der Freiwilligen Feuerwehr Seitenbuch

(Zu Beginn sollte eine neue Standarte, das Geschenk des Fürsten Castell-CasteIl  "geweiht" werden)

Gedanken zur Standartenweihe

Predigt über Mt. 25,31 -46 (Das große Weltgericht)

Liebe Feuerwehrleute. Eigentlich heißt es ja wohl ,,Kameraden", aber ich bin ja nicht Mitglied im Feuerwehrverein und auch nicht Feuerwehrmann, und außerdem sind ja auch noch viele andere da. Und weil alle gemeint sind, sage ich: Liebe Gemeinde.

Ich stelle mir vor; zur Zeit Jesu hätte es eine freiwillige Feuerwehr gegeben, in Jericho oder Bethlehem oder in Nazareth, wo Jesus aufgewachsen ist. Jesus wäre bestimmt dabei gewesen bis zu der Zeit, wo er sich auf die Wanderschaft gemacht hat. Er war ja Zimmermann. Und als er noch na jung war, hätte er es bestimmt bei seinem Vater miterlebt, wie das ist. Der war ja auch Zimmermann. Also, ich stelle mir vor, Jesus hätte so etwas wie eine freiwillige Feuerwehr gekannt.

Was wäre dann gewesen? Eines könnte ja sein: Er hätte das Gleichnis, das wir gehört haben, anders erzählt.

Im Gleichnis wird ja erzählt, was es noch nicht gibt: Das große endgültige Weltgericht am Ende der Zeiten. Nun mag mancher und manche denken: Na ja, das ist noch weit hin- oder: So recht kann ich mir das nicht vorstellen, oder auch: Das sind so Drohungen, mit denen sollen die Leute in Furcht gehalten werden. Das kann man sich so denken oder auch nicht. Ob Jesus das so gemeint hat? Ich glaub's nicht.

Wenn ich das Gleichnis recht höre und lese, so ist es ein Gleichnis vom großen Verwundern. Die einen wundern sich und die anderen wundern sich auch: Die wundem sich, dass sie gelobt werden: "Herr; wann haben wir das alles getan?" die anderen sind völlig überrascht, dass sie getadelt werden.

Und zwar von Gott gelobt oder von Gott getadelt. Und weil heute ein Fest ist, Ihr großes Fest, hören wir auf das Lob. Getadelt, geschimpft und gedroht wird eh genug.

Was hätte Jesus wohl gesagt in diesem Gleichnis, wenn er so etwas wie die freiwillige Feuerwehr gekannt hätte? Zunächst: Er hätte bestimmt gewusst, was auf die Feuerwehrleute wartet, wenn es zum Einsatz kommt. Die Gefahr und die Anstrengung. Wie gesagt, ich stelle mir das so vor. Wenn er nicht selbst dabei gewesen wäre, hätte er es zumindest von seinem Vater gewusst. Und er hätte auch die Angst gekannt, die eigene der Feuerwehrleute und die der Angehörigen. Und er hätte sicher auch die Feste mitgemacht. Das denke ich bestimmt. Für Feste hat er ja viel übrig gehabt, sonst hätte er das Himmelreich, das Gottesreich, nicht immer wieder mit einem großen Fest verglichen Und die Braven und Frommen sagten über ihn, er sei ein Fresser und Weinsäufer. Von nichts kommt auch nichts und wo Rauch ist, muss auch Feuer sein.

Was hätte er denn wohl in seinem Gleichnis gesagt? Da ist ja diese Aufzählung: Ich bin hungrig gewesen, ich bin durstig gewesen, ich bin fremd und obdachlos gewesen, ich bin nackt gewesen, ich bin krank gewesen. Und in dieser Aufzählung wäre bestimmt gekommen: Und der Weltenrichter wird sagen: Und bei mir hat es gebrannt und ihr habt gelöscht, ich hatte einen Unfall und ihr habt geholfen, ich habe euch gebraucht und ihr seid gekommen.

Das ist schon zum Wundern und Erstaunen. Denn der da spricht, das ist - immer im Gleichnis - der Menschensohn, der König, der die Entscheidung fällt. Und da kommt dann das große Verwundern: "Herr, wann haben wir dir, dem Menschensohn, dem Weltenrichter, das getan? Wir haben doch nur getan, was wir mussten, wozu wir uns verpflichtet haben. Wir haben gelöscht, wo es gebrannt hat, wir haben geholfen, wo es nötig war, wir sind einfach wachsam gewesen, dem Nächsten zur Wehr."

Da ist die Antwort schon überraschend: Beim Nachbarn hat es gebrannt. Die Sirene ging oder das Horn und sie sind losgegangen Sie haben ganz einfach einfachen Menschen geholfen, weil es nötig war und sie gerufen wurden. An Gott haben sie dabei vielleicht gar nicht gedacht.

Jesus hat ja seine Gleichnisse und Geschichten so erzählt, dass hinter dem Menschensohn, dem König Gott selbst abgebildet ist. Gott in seinem menschenfreundlichen Handeln. Einfache Geschichten hat Jesus erzählt und in diesen einfachen Geschichten die Wahrheit Gottes.

Und nun versuche ich noch einmal, das durchzubuchstabieren. Und ich bleibe dabei: Das ist zum Verwundern. Da werden Menschen von Gott gelobt, die nur Normales getan haben, ganz Normales. Oder vielleicht doch nicht nur Normales? Sie haben die Augen offen gehalten und dann getan, was nötig war, was sie dafür auch gelernt und geübt hatten. Das ist das Normale, sagt Jesus: Dass Menschen die Augen offen halten und dann tun, was nötig ist.

Da ist doch auch noch die bekannte Geschichte vom barmherzigen Samariter. Der war auch ein ganz ,,normaler" Mensch, gar nicht fromm im Sinn der damals Frommen. Er findet einen, den Räuber so zugerichtet haben. Die ganz Frommen waren - aus welchen Gründen auch immer - vorbeigegangen und hatten ihn liegen gelassen. Der Samariter - noch einmal: Er gehörte nicht zum Volke Gottes und hatte keinen guten Namen - er lädt ihn auf seinen Esel und bringt ihn in das nächste Gasthaus und lässt ihn dort pflegen Er hatte die Augen offen und das Herz und hat getan, was nötig war. Die Zuhörer Jesu haben sich da auch sicher sehr gewundert, dass der Samariter so gut davon kam in der Beurteilung Jesu.

Ich kehre zurück zu unserem Gleichnis. Die gelobten Leute wundern sich, dass sich Gott gewissermaßen versteckt in den geringsten der Brüder (und natürlich auch der Schwestern). Und sie wundern sich, dass Jesus ihnen sagt, das, was sie getan haben, Hunger gestillt, Kranke besucht, Durst gestillt, das hätten sie Gott getan. Steckt das am Ende hinter dem Spruch "Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr"? Wir haben nämlich keinen Gott, der fern im Himmel auf einer Wolke thront und unbeteiligt dem Weltgeschehen zuschaut. Nein, Jesus spricht uns von einem Gott, der sich in die Geschicke der Welt hinein verwickelt, der sich verbirgt -und manchmal auch zeigt - in anderen Menschen. Kein ferner Gott, sondern ein naher Gott, ein sehr naher Gott, der mitten unter uns lebt.

Dazu gibt es zwei Fragen. Die eine: Und warum merke ich das nicht, sehe ich das nicht, ist mir das so fremd? Und die Zweite: Wenn die Leute da im Gleichnis, die das Nötige tun, gelobt und gerecht gesprochen werden, weil sie das Nötige getan haben, wozu brauchen wir dann überhaupt die Kirche?

Die erste Antwort ist eine schwierige, ich geb's zu und versuche sie ganz einfach zu machen: Gott ist unter uns, aber er schmeißt sich uns nicht an den Hals. In der Bibel heißt es einmal: Gott ist Geist. Ich verstehe das so: Gott ist überall, in allem, unsichtbar aber doch wirksam. Die russischen Astronauten kamen aus dem Weltall zurück und sagten, sie hätten Gott nicht gesehen. Das war einfach dumm, so zu reden, daran glaubt schon seit über 500 Jahren niemand mehr, dass Gott da irgendwo auf einem Thron sitzt, dass das ein Bild ist.

Ich versuche es mit einem Bild: ich stelle mir vor, es brennt und es gibt einen ganz dicken Rauch, der vieles nicht erkennen lässt. Da müssen Sie rein, auch wenn Sie nicht wissen, was dahinter steckt, was Sie erwartet. Sie können nicht davor stehen bleiben und diskutieren, was wohl nötig sei.

Wollte ich mich lustig machen, dann könnte ich ja überlegen, wie sich eine solche Diskussion anhört: ,,Also", sagt einer: "Ich glaube, das ist nicht so gefährlich, das könnt ihr machen, ich habe zu tun, ich gehe jetzt heim" (Ich weiß nicht, ob so etwas geht, aber es könnte ja sein). Ein anderer sagt: "Das ist nicht gefährlich, wisst ihr noch beim letzten Mal hat nur ein Bett gebrannt, weil einer geraucht, los wir gehen rein." Ein anderer: "Los, jetzt rein, steht hier nicht rum." ,,Hast du denn gesehen, ob da überhaupt einer drin ist? Komm, wir löschen von außen." Und ein anderer sagt: "Das ist sicher nur eine Übung." - Nein, sie diskutieren nicht, ob sie da rein müssen, allenfalls, welches der beste Weg ist, und tun, was nötig ist. Hoffentlich.

Durch den Rauch hindurch und sehen, was dahinter ist. Manchmal scheint es mir, als sei das so mit Gott, dem Geist, der überall ist. Da sind dicke Wolken von Zweifeln, da gibt es den Nebel von nicht Verstehen, da sind falsche Gewohnheiten, die den Blick auf Gott verstellen. Und mancher und manche will es auch gar nicht so genau wissen. Es könnte ja sein, dass ich ihn finde oder er mich findet.

Es lohnt sich, durch diesen Rauch hindurch zu gehen Wir finden dann den, der uns schon lange gesucht hat. Das ist die eine Antwort und die hängt mit der zweiten zusammen

Wozu brauchen wir die Kirche? Wozu brauchen wir einen Gottesdienst am Feuerwehrfest? Die Antwort ist einfach: Weil wir uns das nicht selbst sagen können. Dass Gott Menschen lobt, die das Nötige tun, das hat kein Mensch erfunden, das kommt von Jesus selbst. Das kann sich keiner aus den Fingern saugen.

Ich erzähle mal das Gleichnis weiter: Wenn der Feuerwehrmann oder auch die Hausfrau vor Gott stehen, sind sie vielleicht etwas verlegen, denn sie wissen schon: So gut ist mein Leben auch nicht gewesen. Und dann sagt Gott zu ihnen: Das habt Ihr gut gemacht, das mit dem Löschen, das mit dem Kinderwickeln und der Pflege der alten Mutter, das habt Ihr mir getan. Darauf käme keiner von selbst. Das ist dann schon zum Wundern. Da wird auch einmal der Rauch zur Seite geschoben und es kommt heraus, was die Weh im innersten zusammenhält.

Noch mehr: Das können wir uns nicht selbst sagen. Deshalb gibt es die Kirche und deshalb gibt es auch den Gottesdienst beim Feuerwehrfest. Denn das ist doch was: Da tut jemand seine Pflicht, nein nicht nur Pflichten ist es. Da sieht jemand, dass etwas nötig ist, notwendig, die Not wendend, und lässt es sich ins Herz gehen und auch in die Füße und die Hände. Und Gott sieht das an und sagt: Damals, als du da rein gegangen bist, als du die alte Mutter gepflegt hast oder den Kindern zum hundertsten Male den Po gewischt hast, da hast du mir gedient, ob du es weißt oder nicht. Daran habe ich meine Freude.

Aber nun könnten Sie ja sagen oder denken: "Das ist aber clever, der will uns hinten herum doch für den Glauben vereinnahmen." Das will ich nicht. Sie sind nicht frömmer, als Sie sind. Davon will ich reden im Anschluss an dies Gleichnis: Sie tun mehr als nur bergen, retten, löschen. Ich möchte gewissermaßen durch den Rauch hindurchsehen, denn alles hat eine Außenseite und eine Innenseite. Die Außenseite ist das Tun, das Helfen. Und die Innenseite ist, dass Gott auf solche Weise gedient wird. Und wenn diese Innenseite heute früh etwas deutlicher sichtbar geworden ist, dann hat diese Predigt ihren Zweck erfüllt.

"Dem Nächsten zur Wehr" das ist ein gutes Motto. Und dass dadurch Gott gedient wird, habe ich versucht zu zeigen. Und dazu kommt: ,,Gott zur Ehr"'. Und auch das haben wir in diesem Gottesdienst getan: Ihn gelobt, zu ihm gebetet, für ihn gesungen. Und weil heute mehr die Zeit ist für das Beten und Singen, wollen wir das nun laut und kräftig tun: Großer Gott, wir loben dich! Und wenn's dann nötig sein sollte, soll gelöscht werden und den Geringen geholfen werden. Amen.

Pfarrer i.R. G. Wagner, Burghaslach


Für das Internet bearbeitet von Hanjo v.Wietersheim am 12.07.98.

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