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Belastendes Ereignis (,,criticaI incident")

Definition
Jedes Ereignis mit so starker Einwirkung auf die Psyche, dass es die normalen Verarbeitungsfähigkeiten eines Einzelnen oder einer Gruppe überwältigt.

"Belastende Ereignisse" werden bestimmt durch:

1. ihr plötzliches und unvermitteltes Eintreten
2. das Erleben von (funktionaler) Hilflosigkeit
3. den Grad der Betroffenheit/lntensität
4. den Grad der Identifikation.

,,Belastende Ereignisse" für Einsatzkräfte

Im Bereich von Feuerwehr und Rettungsdienst handelt es sich dabei um Ereignisse, die bei Einsatzkräften so starke emotionale Reaktionen hervorrufen, dass deren Handlungsfähigkeit entweder schon im Einsatz oder später eingeschränkt ist.

,,Belastende Ereignisse" sind z.B.:

1. Tod oder schwere Verwundung eines Kollegen/einer Kollegin
2. Suizid eines Kollegen/einer Kollegin
3. Tod von Kindern
4. große Anzahl von Verletzten
5. große Anzahl von Toten
6. Opfer, die den Einsatzkräften bekannt sind
7. starkes Medieninteresse
8. jedes andere Ereignis, das eine ungewöhnlich belastende Wirkung hat

Für einen einzelnen kann auch ein objektiv weniger spektakuläres Ereignis zu einem "belastenden Ereignis" werden, wenn bestimmte Aspekte des Einsatzes große Ähnlichkeiten mit der eigenen Biographie aufweisen.


Akute Belastungsreaktion (ABR)

International Classification of Diseases (ICD) 10: F 43.0

Beginn:
- während oder nach dem Einsatz

Dauer:
- mindestens 2 Tage höchstens 4 Wochen
- halten Symptome 3 Wochen an => Beobachtung

Besonderheiten:
- ,,kritischer Punkt": erste Nachtschlafphase
- maximale Intensität nach etwa 3. Tagen
- Nachlassen der Intensität nach etwa 3 bis 4 Tagen

Dissoziative Symptome während des Ereignisses bzw. danach

1. Gefühllosigkeit, emotionale Taubheit
2. Eingeschränkte Wahrnehmung (Verschleierung, Betäubung)
3. dissoziative Amnesie (Unfähigkeit, sich an einen wichtigen Aspekt des Traumas zu erinnern)

Symptome nach dem Ereignis

1. sich aufzwingende Wiedererinnerungen (Intrusionen)
- Bilder
- Geräusche
- Gerüche
- taktile Eindrücke

2. Schlafstörungen
- Einschlaf bzw. Durchschlafstörungen
- Alpträume

3. verändertes Essverhalten
- Heißhunger bzw. Appetitlosigkeit
- Übelkeit

4. Verhaltensänderungen
- Konzentrationsstörungen
- Hypervigilanz
- Gereiztheit, Aggressivität
- übertriebene Schreckreaktionen

5. Reizvermeidung (bezogen auf die Erinnerung an das Trauma)
- Gedanken, Gefühle
- Gespräche, Orte, Personen


Posttraumatische Belastungsstörung
Post Traumatic Stress Disorder (PTSD)

international Classification of Diseases (ICD) 10: F 43.1
Diagnostic and Statistic Manual of Mental Disorders (DSM) IV: 309.81

Diagnosekriterien der PTSD (nach DSM IV):

I. Ständiges Wiedererleben des traumatischen Ereignisses
in mindestens einer der folgenden Formen:

1. wiederholte, sich aufdrängende Erinnerungen an das Ereignis,
2. wiederkehrende belastende Träume,
3. plötzliche Handlungen oder Gefühle, als ob das Ereignis wiedergekehrt wäre,
4. intensives Leiden (mit psychischen und physiologischen Reaktionen) nach Konfrontation mit internen oder externen Reizen, die einem Aspekt des traumatischen Ereignisses ähneln, es symbolisieren oder daran erinnern.

II. Anhaftendes Vermeiden von Reizen, die mit dem Trauma assoziiert sind,
oder eine Einschränkung der allgemeinen Aktivitäten im Vergleich zur Zeit vor dem traumatischen Ereignis;

mindestens 3 der folgenden Symptome müssen zu beobachten sein:

1. Vermeidung entsprechender Gedanken, Gefühle oder Gespräche
2. Vermeidung entsprechender Aktivitäten, Orte oder Personen

III. Anhaltende Symptome erhöhter Erregung die vor dem Trauma nicht bestanden haben;
mindestens 2 der folgenden Symptome müssen zu beobachten sein:

1. Ein- und Durchschlafstörungen
2. Reizbarkeit oder Wutausbrüche
3. Konzentrationsschwierigkeiten
4. extrem erhöhte Aufmerksamkeit
5. übertriebene Schreckreaktionen

Verlauf einer PTSD

Bereits unmittelbar nach dem Ereignis/Einsatz können Reaktionen/Symptome auftreten (vgl. ABR). Betroffene können aber auch ohne, dass sie in den ersten Wochen nach dem Ereignis Symptome zeigten, eine PTSD entwickeln. Hier tauchen deutliche Symptome nach ca. 3 Monaten bis einem halben Jahr auf. Dies erschwert die Diagnosestellung, da Betroffene mit einem verzögerten Beginn der Symptomatik nicht unbedingt einen Zusammenhang mit einem zurückliegenden belastenden Ereignis herstellen können.


Skript nach einem Vortrag von Andreas Müller-Cyran
nach einer Vorlage von Andreas IgI (beide lizensierte SBE-Trainer)

Für Rückmeldungen und Kommentare bin ich dankbar

Hanjo v.Wietersheim,

dienstlich: Bürgerspital Julius-Echter-Platz 7, 97346 Iphofen, Tel.: 09323-5638, Fax: 09323-8765389
E-Mail: mail@notfallseelsorge.de

 

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