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Was tue ich gegen den Einsatz-Stress?

Im Lauf der Jahre habe ich einige Strategien entwickelt, die mir helfen, den Einsatz-Stress zu verringern. Ganz wegbekommen habe ich ihn allerdings nie.

Vielleicht können meine Erfahrungen anderen helfen, auch ihren Stress zu verringern.

 

1) Ich halte Ordnung

Ich versuche, die Dinge, die ich beim Einsatz brauche, immer am gleichen Platz zu haben. An meinem Bett sind immer Zettel und Schreiber.

Piepser, Handy, Schlüssel, Einsatzjacke, ... sind immer am gleichen Platz. So brauche ich nicht mehr viel nachzudenken, wenn ich sie mir greife.

 

2) Ich befolge Schemata

Ich schreibe immer auf, wann ich einen Einsatz bekommen habe und wo der Einsatzort ist. Das beides vergesse ich sonst garantiert.

Ich habe mir ziemlich genau überlegt, was ich bei einer Todesnachricht (dezente Kleidung, Absprache mit der Polizei, eigenes Fahrzeug, ...) tue und was bei einem Verkehrsunfall (Anfahrt mit Feuerwehrfahrzeug mit Fahrer, komplette Schutzkleidung, sofortige Nachalarmierung weiterer Seelsorger/innen, ...). Das spart mir Nachdenken im Einsatz.

Am Einsatzort melde ich mich bei dem (den) Einsatzleiter/n und hole mir alle nötigen Informationen. Zusätzlich mache ich meine eigene Beurteilung der Lage. Ich habe immer 5 Arbeitsbereiche, nach denen ich eine Einsatzlage beurteile: Verletzte, Unverletzte, Angehörige, Tote, Einsatzkräfte.

Bei mehr als 3 eingesetzten Seelsorger/innen übernimmt eine/r die organisatorische Leitung (Leitender Notfallseelsorger).

 

3) Ich alarmiere frühzeitig andere Seelsorger/innen

Wenn ich nur den geringsten Verdacht habe, dass es Arbeit für 2 oder mehr Seelsorger/innen gibt, dann alarmiere ich andere Seelsorger/innen.

Wenn ich merke, dass unterschiedliche Arbeiten zu tun sind (Betreuung Unverletzter, Betreuung Verwandter, Betreuung Verletzter, Aussegnung und Versorgung von Toten, Überbringen einer Todesnachricht, ... ), dann alarmiere ich für jede dieser Arbeiten mindestens eine/n Seelsorger/in. So hält sich die Arbeit für uns alle in Grenzen.

Wenn ich müde werde oder anders merke, dass ich meine Leistungsgrenze erreicht habe, dann gebe ich die Arbeit an eine/n andere/n Seelsorger/in ab.

 

4) Ich delegiere Arbeit

Wenn ich einen Fahrer habe, dann lasse ich den fahren. Am Einsatzort kann er die Nachalarmierungen und notwendige Telefonate übernehmen - ich bin dann nur über ihn zu erreichen, wir haben eine eigene Funkverbindung.
Wenn wir mehrere Seelsorger/innen sind, dann lasse ich die anderen auch arbeiten - je mehr, je besser. Allerdings übernehme auch ich Arbeit von den anderen, wenn sie mich darum bitten.

 

5) Ich alarmiere zuständige Stellen

Geht jemand ins Krankenhaus, benachrichtige ich die Krankenhausseelsorge.

Gibt es Arbeit für den Gemeindeseelsorger, dann lasse ich den holen.

Für Arbeit an Schulen hole ich die Schulpsychologen.

Ich kenne die verschiedenen psychosozialen Fachdienste in meiner Umgebung und benachrichtige sie frühestmöglich.

 

6) Ich beschränke meine Arbeitszeit

Durch das rechtzeitige Verteilen der Arbeit an andere Seelsorger/innen und durch die schnelle Abgabe an zuständige Stellen kann ich meine Arbeitszeit, und das heißt auch meinen Stress, begrenzen.

Grundsätzlich mache ich außerhalb meines Gemeindebereichs keine langfristigen Betreuungen oder Kasualien in Folge eines Notfallseelsorge-Einsatzes.

 

7) Ich betreibe spezielles Stressmanagement

Ich nutze die Stressmanagement-Methoden der Rettungsorganisationen: Lockere Gespräche im und nach dem Einsatz, Teilnahme an SBE-Gesprächen,  Fertigen von Einsatzberichten, Zusammenarbeit in vertrauten Gruppen, ...

 

8) Ich betreibe persönliches Stressmanagement

Körperliche Fitness, Gespräche, Supervision, regelmäßige Ruhephasen und ein persönliches Einsatztagebuch helfen mir, meinen Stress-Level zu kontrollieren.

Es hat mir sehr geholfen, an einem Kurs im Haus "Respiratio" teilzunehmen. 5 Wochen komplett raus zu kommen war hilfreich und die Einzelgespräche haben mich weitergebracht in meinem persönlichen Stressmanagement.

 

Hanjo v.Wietersheim

Beauftragter für Notfallseelsorge der Evang.-Luth. Kirche in Bayern.

Oktober 2003

Mit freundlicher 
Unterstützung  von: