Infoblätter, die im Bereich der Notfallseelsorge und des SbE-Teams
Südeutschland entstanden sind.
Sie können gerne verändert und auch in anderen Bereichen eingesetzt werden.
Für Fragen und Ideen schicken Sie mir bitte eine
E-mail.
Hanjo v.Wietersheim
Inhalt:
Kurzinformation über Notfallseelsorge
Informationen für Geschädigte und andere Betroffene
nach Unglücksfällen
Informationen für Einsatzkräfte nach
belastenden Einsätzen
Tipps für die Tage nach einem belastenden Ereignis
zurück
zum Anfang
Notfallseelsorge
Ein Angebot der Kirchen
für die Zusammenarbeit mit Rettungsorganisationen
Kirchliche Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter sind speziell ausgebildet für den Umgang mit trauernden oder
psychisch belasteten Menschen. Diese Kenntnisse können sie auch in
Notfallsituationen im Bereich der Rettungsdienste einbringen.
Für viele ist es ein ungewohnter und neuer Gedanke, dass kirchliche
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch im Notfallgeschehen sinnvoll mitarbeiten
können. Dennoch hat es sich gezeigt, dass sie besonders geeignet sind, die
psychischen Belastungen aufzufangen, die in vielen Notfallsituationen auftreten.
In erster Linie ist dabei an die Betreuung der Geschädigten und ihrer
Angehörigen gedacht, bei besonders belastenden Einsätzen können aber auch
Gespräche mit Angehörigen der Hilfsorganisationen sinnvoll sein.
Typische Einsatzsituationen für Notfallseelsorger:
- Betreuung der Angehörigen während einer
Reanimation oder nach dem Abbruch
- Betreuung der Angehörigen nach einem
plötzlichen Kindstod
- Betreuung der Angehörigen nach einem
Suizid bzw. Suizidversuch
- Überbringung einer Todesnachricht
zusammen mit anderen Einsatzkräften
- Betreuung der Geschädigten während
eines Wohnhausbrands und danach
- Betreuung von Personengruppen bei einer
Evakuierung
- Mitarbeit bei Großschadenslagen
- Gespräche mit Einsatzkräften nach
besonders belastenden Einsätzen
Beim Einsatz von Notfallseelsorgern ist nicht daran gedacht, die
Gesprächspartner zu missionieren oder ihnen kirchliche Riten aufzudrängen.
Vielmehr geht es darum, Menschen in existentiellen Notsituationen beizustehen
und ihnen menschlichen und -falls gewünscht- seelsorgerlichen Beistand zu geben.
Die Erfahrung hat gezeigt, dass in den angesprochenen Situationen die
Zugehörigkeit zu einer besonderen Konfession keine entscheidende Rolle spielt.
Auch Mitglieder nichtchristlicher Religionen (z.B. Moslems) haben bei Einsätzen
die Notfallseelsorger als Gesprächspartner und Vermittler zu den
Rettungsorganisationen gerne angenommen.
Tätigkeiten der Notfallseelsorger im Einsatz:
- praktische Mitarbeit
- Betreuung der unverletzten Beteiligten.
- Begleitung von Angehörigen, die am
Einsatzort sind oder dorthin kommen.
- Betreuung von Verletzten während der
Rettung und in Wartezeiten.
- Spende der Sakramente (falls
gewünscht).
- Betreuung der Sterbenden und Toten.
- Fürsorge für erschöpfte Helfer.
- Überbringung von Todesnachrichten
zusammen mit anderen Einsatzkräften.
- Beratung der Einsatzleitung in
besonderen Situationen (falls gewünscht).
Weitere Informationen über:
Der
Landeskirchliche
Beauftragte für Notfallseelsorge und Seelsorge in Feuerwehr und Rettung
in der Ev.-Luth. Kirche in Bayern
Kirchenrat Pfarrer Hanjo v.Wietersheim,
dienstlich: Bürgerspital, Julius-Echter-Platz 7, 97346 Iphofen, Tel.:
09323-5638, Fax: 09323-8765389
E-Mail:
mail@notfallseelsorge.de;
URL:
http://www.notfallseelsorge.de
zurück
zum Anfang
Vorbemerkungen
Die Hauptteile des
folgenden Informationsblatts wurden erstmalig von der Stolzenbach-Hilfe nach dem
Grubenunglück in Borken 1988 erstellt.
Generell sollte solch ein Informationsblatt möglichst schnell im Anschluss an
die Rettungsarbeiten an alle Betroffenen verteilt werden, da man sonst keinen
Zugriff mehr auf sie hat und da sie die Informationen möglichst schnell bekommen
sollten. Betroffene sind: Verletzte, Angehörige, unverletzte Beteiligte,
Notfallzeugen, Hinterbliebene, ... . Es ist sinnvoll, das Blatt in ausreichender
Anzahl (ca. 200 Stück) an einer geeigneten Stelle vorzuhalten. (Z.B. in der
Leitstelle, im OrGl- oder Einsatzleitfahrzeug oder bei der SEG-Ausrüstung)
Für besondere (evtl. besonders große)
Notfälle kann das Informationsblatt speziell angepasst werden, um aktuelle,
örtliche Ansprechstellen einzufügen. (Hierfür ist es wichtig, es in einer
Textverarbeitung zu speichern, um es sofort ändern zu können. Danach kann es auf
einem Kopierer schnell vervielfältigt werden.)
In der beiliegenden Form sollte das Informationsblatt wegen der angegebenen
Adressen nur in Bayern verteilt werden. Doch auch hier kann es um hilfreiche
örtliche Adressen erweitert werden. Für andere Bereiche müssen andere
Ansprechpartner gefunden werden.
Parallel zu diesen Informationen sollten
für die Betroffenen bei besonders schweren Unglücken stressabbauende Gespräche
angeboten und Selbsthilfegruppen initiiert werden. Insbesondere mit
Selbsthilfegruppen wurden besonders gute Erfahrungen gemacht.
Für weitere Informationen stehen Herr Müller-Cyran und ich gerne zur
Verfügung.
Hanjo v.Wietersheim,
Landeskirchlicher Beauftragter für Notfallseelsorge und
Seelsorge in Feuerwehr und Rettungsdienst
in
der Ev.-Luth. Kirche in Bayern
dienstlich: Bürgerspital, Julius-Echter-Platz 7, 97346 Iphofen, Tel.: 09323-5638,
Fax: 09323-8765389, E-Mail:
mail@notfallseelsorge.de
Andreas Müller - Cyran, Michael-Hartig-Weg 6, 81292 München, Mail:
amueller-cyran@katholische-notfallseelsorge-muenchen.de
Seelsorge in Feuerwehr und Rettungsdienst in den bayerischen Diözesen,
Tel.: 08 9 / 957 203 27; Fax: 957 203 26
Informationen
und Ratschläge für Betroffene
zum Umgang mit körperlich-seelischen Reaktionen
nach einem Notfall oder Unglück.
Wir überreichen Ihnen dieses
Merkblatt in Zusammenarbeit mit der kirchlichen Notfallseelsorge in Bayern. Es
greift auf Erfahrungen zurück, die an anderen Orten nach schweren Belastungen,
Unfällen und Katastrophen gesammelt worden sind. Die dort gemachten Erfahrungen
zeigen, dass es von großem Wert ist, den Betroffenen und Angehörigen nach einem
Unglück Informationen zukommen zu lassen. Deswegen schicken wir Ihnen jetzt
diesen Brief, in dem wir auch einige einfache Ratschläge geben.
Es hat sich als günstig erwiesen, über die
gängigen psychischen Reaktionen zu informieren, die in solchen Situationen
auftreten. Hierfür gibt es mehrere Gründe:
Die meisten Menschen sind über die normalen und gewöhnlichen Reaktionen nicht
unterrichtet, und sie neigen von daher dazu, eigene Reaktionen als unnormal und
ungewöhnlich aufzufassen. Wenn man hingegen die Normalreaktionen kennt, ist es
leichter, sie zu akzeptieren. Auf dem Hintergrund der starken Belastungen, denen
man ausgesetzt ist, erlebt man sie als angemessen. Es erscheint günstig, wenn
auch die nächsten Familienangehörigen und Arbeitskollegen hiervon Kenntnis
haben.
Diese Reaktionen können so stark, quälend und
von so langer Dauer sein, dass eine Behandlung notwendig wird. In diesem Fall
sollten Sie nicht zu lange warten, bevor Sie eine Hilfe in Anspruch nehmen. Wenn
auch viele Betroffene derart starke Reaktionen erleben, heißt das nicht, dass
jeder in gleichem Maße betroffen ist.
Die erste Reaktion ist oft von Unwirklichkeit geprägt. Viele haben ein
starkes Gefühl von innerer Leere. Es kann auch sehr schwer sein, in vollem
Umfang zu verstehen, was passiert ist. Nach und nach lässt man das
Unglücksgeschehen an sich heran, und es entstehen in der Regel die stärksten
Reaktionen. Hier sind es vor allem Angstgefühle. Diese können von großer
Heftigkeit sein, wenn das Geschehen innerlich wiedererlebt wird. Die
gedanklichen Bilder können so realistisch sein, dass man das Gefühl bekommt,
"jetzt passiert es wieder".
Es kann schwierig oder unmöglich sein, sich
gedanklich von den am meisten belastenden Ereignissen zu lösen. Die Angst führt
zu Ratlosigkeit - und kann sich auch in körperlichen Beschwerden äußern. Solche
körperlichen Beschwerden sind Zittern, Schweißausbrüche, Kopfschmerzen,
Herzklopfen, Druck auf der Brust, Übelkeit, Spannungen im Körper. Es kann sein,
dass Sie sich leicht erschrecken, z.B. bei unerwarteten Geräuschen oder
plötzlichen Bewegungen.
Furcht vor bestimmten Orten kann sich darin äußern, dass man sich plötzlich im
Dunkeln, beim Alleinsein, oder wenn man mit anderen dicht beisammen ist,
fürchtet. Oft ist eine natürliche Furcht zu beobachten, die dann entsteht, wenn
man sich dem Unfallort nähert. Schlafprobleme äußern sich in
Einschlafschwierigkeiten, oft auch wacht man häufig und zu früh auf.
Wichtig ist, von den typischen Unfallträumen zu wissen. Auf verschiedene
Weise erlebt man das Unglücksgeschehen immer wieder als Alptraum. Und dies kann
zu angsterfülltem Aufwachen führen. Wenn der Schlaf über längere Zeit gestört
ist, führt dies zu einer Erschöpfung und erhöhter Reizbarkeit. Schlafmittel
können über einen kurzen Zeitraum erforderlich werden.
Oft beobachtet man Verzweiflung und Grübeln. Einige Menschen bekommen dadurch
Probleme, dass sie überlebt haben, während Freunde ums Leben gekommen sind. Dies
kann zu übertriebenen Selbstvorwürfen und Schuldgefühlen führen. Oft erlaubt man
sich nicht, erleichtert darüber zu sein, dass man überlebt hat. Die Tendenz, sich
zu isolieren, äußert sich in einem Bedürfnis, allein zu sein. Dahinter steht der
Wunsch, sich gegen alles zu schützen, was die genannten Gefühle verstärken
könnte. Man versucht zu vergessen, zieht sich vor dem Kontakt mit anderen
zurück. In einem bestimmten Maße ist dies verständlich, aber auf die Dauer kann
Isolation alleine nicht helfen.
Im Folgenden geben wir einige wenige Ratschläge:
1) Sprechen Sie mit anderen.
Auch wenn es schwer fällt, hilft es, die
Gedanken, Gefühle und Erlebnisse mit anderen zu teilen. Es kann notwendig
werden, Teile der Erlebnisse mit anderen zu teilen. Es kann notwendig werden,
Teile der Ereignisse immer wieder zu besprechen. Auf diese Weise kann man
leichter durch eine schwierige Situation hindurchkommen.
Wir wissen, dass die Begegnung mit den Familien von Verunglückten oft
schmerzhaft und schwierig für Sie sein kann. Wenn Sie sich dennoch in der Lage
fühlen, Kontakt mit den Angehörigen aufzunehmen, kann dies eine gegenseitige
Hilfe bedeuten.
Wenn Sie keine Gesprächspartner finden oder zeitweilig nicht über das
belastende Ereignis reden möchten, kann es gut sein, die eigenen Erlebnisse wie
in einem Tagebuch aufzuschreiben. Sie können auch gerne einen Brief an eine der
unten genannten Stellen schicken. Es ist selbstverständlich, dass solche Briefe
vertraulich behandelt werden.
2) Sprechen Sie mit Ihren Kindern.
Dieser Brief ist an Sie gerichtet; er ist
gleichzeitig zur Hilfe für den Umgang mit Ihrem Kind / Ihren Kindern gedacht.
Die Kinder können die gleichen Reaktionen zeigen wie Sie, ohne zunächst hierüber
sprechen zu wollen. Sie fürchten, durch ein Sprechen über diese ungewohnten
Reaktionen ihre Eltern zu belasten, oder sie schämen sich ganz einfach hierüber
(z.B. nächtliches Einnässen, Angstgefühle, Wutanfälle). Gelegentlich werden
bisher nicht bekannte Lern- und Konzentrationsstörungen in der Schule
beobachtet. Unter bisher vertrauten Spielgefährten können Streitereien
auftreten; oder Freude am Spiel will nicht mehr recht aufkommen. -Sprechen Sie
ruhig mit Ihren Kindern, was ihnen jetzt Spaß machen kann. Sprechen Sie auch
darüber, wie Sie jetzt gemeinsame Feste feiern und den evtl. anstehenden
Geburtstag eines verstorbenen Angehörigen begehen wollen.
3) Sprechen Sie mit denjenigen, die sich beruflich für eine Hilfe
bereithalten!
Der Hausarzt kann bei der Behandlung der oben
aufgeführten Reaktionen sehr viel helfen.
Zögern Sie nicht, sich an die Lehrer Ihrer Kinder zu wenden oder mit den
Schulleitern zu sprechen.
Sie können sich mit allen Fragen an kirchliche
Seelsorger wenden.
Gute Gesprächspartner und geduldige Zuhörer
finden Sie auch bei der Telefonseelsorge und in örtlichen Beratungsstellen.
- Körperliche Aktivitäten und regelmäßige Tätigkeit sind wichtig, um sich
abzureagieren.
Betreiben Sie die Aktivitäten, von denen Sie aus Erfahrung wissen, dass sie
ihnen helfen. Für die meisten ist es vorteilhaft, so früh wie möglich den
geregelten Tagesablauf wieder aufzunehmen.
Die Gemeinschaft mit anderen, die das gleiche erlebt haben, hilft oft.
Vielleicht können Sie sich zu einem regelmäßigen Treffen verabreden, um über das
gemeinsame Erlebnis zu sprechen. Normalerweise macht es keine Schwierigkeiten,
solche Treffen in einem Raum der örtlichen Kirchengemeinden zu organisieren.
Beim Gebrauch von Alkohol sollte man vorsichtig
sein, auch wenn der Alkohol zunächst lindert. Vor Alkoholgenuss in einer
schwierigen Lebenssituation können wir nur warnen.
Zusätzliche Unterstützung können Ihnen anbieten:
Der
Landeskirchliche Beauftragte für Notfallseelsorge und
Seelsorge in Feuerwehr und Rettungsdienst
in Bayern, Kirchernat H.v.Wietersheim,
E-Mail:
mail@notfallseelsorge.de
Seelsorge in Feuerwehr und Rettungsdienst in den bayerischen katholischen
Diözesen,
Herr Müller - Cyran, Michael-Hartig-Weg 6, 81292 München,
Tel.: 08 9 / 957 203 27; Fax: 957 203 26 , Mail:
amueller-cyran@katholische-notfallseelsorge-muenchen.de
Der Weiße Ring. Zentrale Telefonnummer: 01 30 /
34 99
Die Telefonseelsorge (im Telefonbuch oder
Nürnberg: 09 11 / 111 01 und 111 02)
Die Beratungsstellen der Caritas und der
Diakonie (z.B. Nürnberg: 09 11 / 20 97 02)
(im Telefonbuch, manchmal unter dem Überbegriff:
Kirchen)
zurück
zum Anfang
Vorbemerkungen
Informationen für Einsatzkräfte
Das beiliegende
Informationsblatt wurde 1994 vom SBE-Team Süddeutschland erstellt.
(SBE = Stressbearbeitung nach belastenden
Ereignissen)
Das SBE-Team besteht aus Seelsorgern und
erfahrenen Einsatzkräften, die von Psychologen aus- und fortgebildet werden. Es
bietet vor- und nachbereitend Unterstützung für Einsatzkräfte an, damit diese
-vor allem bei größeren Unglücken- besser mit dem Einsatzstress umgehen können.
In Einsatznachbereitungen arbeitet das SBE-Team nach der CISD-Methode, die
weltweit für solche Gespräche genutzt wird. (CISD = Critical Incident Stress
Debriefing - Stressbearbeitende Einsatznachbereitung) Das Informationsblatt wurde
ursprünglich für die Weitergabe nach solchen Einsatznachbereitungen konzipiert.
Es kann aber genau so gut vorbereitend verteilt werden, um den Einsatzkräften
grundlegende Informationen über Stress und Stressbearbeitung zu geben. Deshalb ist
es sinnvoll, das Blatt an geeigneten Stellen z.B. in Ausbildung und Fortbildung
auszuteilen.
In der beiliegenden Form sollte das
Informationsblatt wegen der angegebenen Adressen nur in Bayern und Baden
Württemberg verteilt werden. Doch auch hier kann es um hilfreiche örtliche
Adressen erweitert werden. Für andere Bereiche müssen andere Ansprechpartner
gefunden werden.
(z.B. das Einsatzkräfte-Nachsorgeteam
beim DRK-LV Münster, örtlich oder überregional zuständige Notfallseelsorger,
psychologische Beratungsstellen, ... )
Parallel zu diesen Informationen sollten für die Einsatzkräfte bei besonders
schweren Unglücken stress abbauende Gespräche und andere Unterstützungen angeboten
werden. Hierzu sollten schon im Vorfeld möglicher Einsätze Vorkehrungen
getroffen werden.
( Stress-Bearbeitung
nach belastenden Ereignissen)
Team Süddeutschland
Alarmierungsnummer: 01 71 / 81 58 110
Bundesweite Alarmierungsnummer: 01 30 / 18 42 12
Weitere Informationen über
SBE unter www.sbe-ev.de
.
Informationen für
Einsatzkräfte
nach besonders belastenden Einsätzen
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
als Einsatzkräfte der Rettungsorganisationen
gehen Sie tagtäglich mit Leid und Not vieler Menschen um. Um anderen zu helfen,
begeben Sie sich selber in Gefahr. Sie erleben viel mehr kritische Situationen,
als die meisten anderen Menschen. Für diesen Dienst und für Ihren Einsatz
möchten wir Ihnen danken.
Stress
Durch Ihre Lebens- und Einsatzerfahrung haben
Sie Möglichkeiten entwickelt, wie Sie mit dem Stress und den Erlebnissen ihrer
Tätigkeit umgehen können. Sicherlich haben Sie schon bemerkt, dass Stress sehr
unterschiedlich empfunden und bewertet wird und dass jeder für sich selber
herausfinden muss, was für ihn belastend ist, und was nicht.
Stress entsteht auf verschiedenen Wegen:
1) Angesammelter Stress
Hierunter versteht man die vielen kleinen
Ärgernisse, die sich im beruflichen und privaten Bereich ansammeln und die sich
zu einer großen Belastung anhäufen können.
2) Einsatzstres s
Bei fast jedem Einsatz entsteht Stress. Das ist
durchaus sinnvoll, denn unter mäßigem Stresskann man schneller und besser
handeln und den Einsatz besonders gut bewältigen. Bei einem Übermaß an
Einsatzstress verringert sich hingegen die persönliche Leistungsfähigkeit und man
kann nicht mehr so gut arbeiten wie vorher.
3) Emotionaler Stre ss
Diese Stressform entsteht, wenn man persönlich
von einem Einsatz speziell betroffen ist, weil sich z.B. Freunde oder Bekannte
unter den Opfern befinden oder weil bestimmte Aspekte des Einsatzes uns
gefühlsmäßig besonders treffen.
Diese unterschiedlichen Stressformen stehen nicht isoliert nebeneinander,
sondern sie addieren sich. Wenn also jemand einen großen Berg von angesammeltem
Stress mit sich herumträgt, dann wird er nur noch wenig emotionalen oder
Einsatzstress vertragen. Umgekehrt wird jemand, der seinen alltäglichen
(angesammelten) Stress gering halten kann, besonders gut in der Lage sein,
emotionalen oder Einsatzstress auszuhalten.
Besonders belastende Einsätze
Es gibt Einsätze und Situationen, die uns
erfahrungsgemäß besonders stark belasten. Dieses sind z.B.:
Eigenunfall Tod von Kollegen
Einsatz mit Schusswaffengebrauch Selbsttötung
eines Kollegen
Gewalt gegen Einsatzkräfte viele Verwundete oder
Tote
persönliche Bekanntschaft mit Opfer Beteiligung
von Kindern
besonderes Medieninteresse langandauernde und
schwierige Einsätze.
Insbesondere nach solchen Erfahrungen können sogenannte
Stressreaktionen auftauchen. z.B.:
Übelkeit Unfähigkeit, Freude und Anteilnahme zu empfinden
Herzrasen Schuldgefühle
Erschöpfungszustände Rückzug aus sozialen
Beziehungen
Schlafstörungen verändertes Ess-, Trink- und
Rauchverhalten
Alpträume übertriebene Lustigkeit
geringe Konzentrationsfähigkeit extreme
Schweigsamkeit
gedankliche Rückblenden Unausgeglichenheit
starke Stimmungsschwankungen
Normalerweise verschwinden die Stressreaktionen umgehend oder nach einigen
Tagen, wenn wir Gelegenheit haben,den Stress abzubauen.
Falls die Stressreaktionen länger als eine Woche anhalten, sollte
professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden.
Stressmanagement
Ziele des Stressmanagements sind: Die Belastungen der Einsatzkräfte
vermindern, die psychische Belastbarkeit erhöhen und Hilfe für die Verarbeitung
anbieten.
Diese Ziele müssen in Vorbereitung, Einsatz und
Einsatznachbereitung angestrebt werden
Vorbereitung
persönliche Vorbereitung
Denke über dein Leben nach und nutze deine Zeit
richtig, finde deine eigenen Prioritäten, versuche deine Kraft sinnvoll
einzuteilen. Vermindere Konkurrenzdenken und Aggressivität. Gönn dir und anderen
regelmäßig Pausen. Lerne eine Entspannungstechnik. Reduziere den Einsatzstress
durch gedankliche Vorbereitung. Versuche, strukturellen Stress (Nachtschichten,
schlechtes Arbeitsklima, schlechte Ausrüstung) abzubauen oder zu beherrschen,
beobachte deinen beruflichen und privaten Lebensstil, treibe regelmäßig Sport,
iss vernünftig. Vermeide Drogen, Alkohol, Nikotin und überflüssige Medikamente.
Soziales Umfeld
Die Unterstützung durch deine Organisation
und deine Familie ist ein wichtiger Faktor für deine psychische
Belastbarkeit. Bemühe dich deshalb, zusammen mit deinen Kolleginnen und Kollegen,
ein gutes Betriebsklima zu schaffen. Sprich mit deinem Lebenspartner, wieweit
deine Tätigkeit in das Familienleben eingreifen darf. Zeige deinen Angehörigen
möglichst viel von deiner Arbeit, damit sie dich besser verstehen können.
Technik, Taktik, Schulung
Bemühe dich um gute Aus- und Fortbildung.
Beteilige dich an der Fortentwicklung von Technik und Taktik. Bedenke immer,
dass
es in diesem Bereich um den Schutz deines eigenen Lebens geht und auch um
fachliche Kompetenz, die Stress vermeiden hilft. Wenn du weißt, dass du fachlich
gut bist, arbeitest du souveräner und stressfreier.
Einsatz
Es gibt Methoden, Stress schon im Einsatz
entgegenzuwirken. Eine besteht darin, sich selber Anweisungen zu geben. z.B.:
"Anhalten, durchatmen!" Das Anhalten hilft, die Situation neu zu überdenken; das
bewusste Durchatmen beruhigt Atmung und Puls. Ähnlich wirken positive
Selbstgespräche, mit denen man sich selber Ruhe zusprechen kann. z.B. "Ich kann
das, ich habe einen ähnlichen Einsatz schon einmal bewältigt. Ich bin gut."
Auch bestimmte Atemtechniken können im
Einsatz hilfreich sein. z.B.: Einatmen, Luft 5 sec. anhalten, Ausatmen.
Eine Möglichkeit zum bewussten Entspannen
besteht darin, alle Muskeln auf einmal anzuspannen und nach 2 sec. wieder zu
lösen.
Falls du in einem Einsatz Probleme festgestellt hast, sprich hinterher mit
deinen Kolleginnen und Kollegen darüber und überlegt gemeinsam, wie sie
beseitigt werden können.
Nachbereitung
Negative Reaktionen nach besonders
belastenden Einsätzen können verhindert oder gemildert werden, wenn daran
gearbeitet wird, die Belastungen wieder abzubauen.
Eine gute Möglichkeit ist das Gespräch
mit dem eigenen Lebenspartner, denn dieser ist der Mensch, der einen am
besten kennt.
Sehr hilfreich kann ein Gruppengespräch sein, z.B. in Form eines
SBE-Gesprächs.
In einigen Berufsgruppen hat man gute Erfahrungen mit regelmäßigen
Gruppengesprächen gemacht. Sie bieten Gelegenheit, Gefühle und Gedanken zu
äußern und einander mitzuteilen.
Auch Einzelgespräche mit professionellen Gesprächspartnern können
hilfreich sein.
Daneben gibt es individuelle
Aufarbeitungsmöglichkeiten, z.B. Entspannungstechniken, Tagebuch-Schreiben
und entspannende Hobbies.
Seelsorgerliche Gespräche, Beichte und
Gebet können gläubigen Menschen helfen.
Grundsätzlich ist es immer hilfreich, wenn man sich nach belastenden
Einsätzen selber etwas Gutes tut. Auch ein Tapetenwechsel, Stressvermeidung und
Sport können guttun.
Mögliche Partner
Im Bereich der Rettungsorganisationen
kennen wir professionelle Hilfe bei der Bearbeitung seelischer Belastungen
bisher kaum. Es wird vorausgesetzt, dass die Einsatzkräfte mit ihren Problemen
selber klarkommen. Dieses funktioniert aber nicht immer. Deshalb sollte eine
Zusammenarbeit mit Fachkräften angestrebt werden.
Diese Zusammenarbeit ist für viele ein
neuer und ungewohnter Gedanke. Seelsorger und Psychologen haben jedoch spezielle
Ausbildungen, die auch den Einsatzkräften helfen können.
Wenn du Fragen oder Probleme hast, zögere nicht zu lange, um die Menschen
anzusprechen, die sich dafür bereithalten, dir zu helfen. Dieses können sein:
Ärzte, Seelsorger, Mitarbeiter/innen von psychologischen Beratungsstellen,
soziale Ansprechpartner oder andere Berater/innen, zu denen du Vertrauen hast.
Das SBE-Team Süddeutschland bietet Stress bearbeitende Nachgespräche an und hilft
bei der Vermittlung von Fachreferenten.
S B E
Stress-Bewältigung für
Einsatzkräfte
Team Süddeutschland
Alarmierungsnummer: 01 71 / 81 58 110
Verantwortliche
Koordinatoren für allgemeine Fragen:
Die folgenden Tipps für
die Tage nach einem belastenden Ereignis habe ich aus dem amerikanischen
übernommen. Ich kopiere sie immer auf DIN-A-5 Zettel und verteile sie am Schluss
von belastenden Einsätzen an die Einsatzkräfte.
Hanjo v. Wietersheim
Tipps für die Tage nach
einem belastenden Ereignis
- Sport und Fitness-Training in
den nächsten 1-2 Tagen kann etliche der körperlichen Stressreaktionen
erleichtern.
- Teil dir Deine Zeit ein - lass dich nicht hängen.
- Du bist normal und hast normale Reaktionen - mach Dich nicht selber
verrückt.
- Rede mit Menschen - Erzählen ist eine wirksame Heilmethode.
- Versuche nicht, Deine Gefühle mit Alkohol oder anderen Drogen zu mildern -
sie kommen wieder!
- Bleib in Kontakt mit anderen - Du bist den anderen nicht egal!
- Führe so gut wie möglich dein normales Leben weiter.
- Verbringe Zeit mit anderen Menschen.
- Hilf Deinen Kameraden, indem Du schaust, wie es den anderen geht und indem
ihr über Eure Gefühle redet.
- Es ist normal, wenn Du Dich schlecht fühlst -es ist hilfreich, wenn Du
darüber mit anderen redest.
- Wenn Du nachts nicht schlafen kannst, kann es gut sein, in diesen Stunden
Deine Erfahrungen in ein Tagebuch zu schreiben.
- Tue Dinge, die Dir gefallen.
- Denke daran, dass auch die Menschen in Deiner Umgebung ihren Stress haben.
- Fäll jetzt keine großen Entscheidungen.
- Den täglichen kleinen Entscheidungen solltest Du nicht ausweichen. So
behältst Du die Kontrolle über Dein Leben. Wenn Dich z.B. jemand fragt, was Du
essen willst, solltest Du antworten, auch wenn es Dir eigentlich egal ist.
- Sieh zu, dass Du viel Ruhe bekommst.
- Intensive Gedankenarbeit, Alpträume und sich aufzwingende Erinnerungen sind
normal. Versuche nicht, sie wegzudrücken. Sie werden mit der Zeit weniger werden
und verschwinden.
- Iss regelmäßig und ausgewogen, auch wenn Du keinen Hunger hast.
Für Freunde und
Familienmitglieder
- Das wichtigste, das Ihr tun
könnt ist Zeit mitbringen und zuhören.
- Wenn Ihr nicht gefragt werdet, bietet von Euch aus an, dass Ihr da seid und
zuhören könnt.
- Achtet zusammen mit Euren Bekannten in dieser Zeit besonders auf persönliche
Sicherheit.
- Helft bei den täglichen Arbeiten wie sauber machen, kochen, auf die Kinder
aufpassen.
- Nehmt Ärger oder Stimmungsschwankungen nicht persönlich.
- Erzählt Euren Bekannten nicht, dass es noch schlimmer hätte sein können. Das
ist kein Trost. Versichert ihnen, dass Ihr mit ihnen leidet, dass Ihr Euch bemüht,
sie zu verstehen und dass Ihr ihnen helfen wollt.
Für Rückmeldungen und Kommentare bin ich
dankbar
Hanjo v.Wietersheim,
dienstlich:
Bürgerspital
Julius-Echter-Platz 7
97346 Iphofen
Tel.: 09323-5638
Fax: 09323-8765389
E-Mail:
mail@notf allseelsorge.de
zurück zum
Anfang
Diese Seite wurde zuletzt überarbeitet am 24.10.99 von Hanjo v.Wietersheim. |