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Hilfen für das Gespräch mit Angehörigen unmittelbar nach einem plötzlichen Sterbefall

(plötzlicher Tod in der Wohnung, kein Unfall)

 

Sie werden von der Einsatzleitstelle zu einer Familie gerufen, wo plötzlich jemand verstorben ist.
Hier sind einige nützliche Tipps aus der Erfahrung; um die Situation gut zu bewältigen.
Bedenken Sie als oberste Regel jedoch, dass in der Situation, die Sie vorfinden, manches anders sein kann als in der Theorie. Handhaben Sie die Folgenden Tipps daher flexibel.

1. Notieren Sie sich die Adresse und - sofern man Ihnen diese mitteilen kann - die Telefonnummer der Familie, zu der Sie fahren.
Wenn Sie können: Sagen Sie, wann ungefähr Sie einzutreffen hoffen und bitten Sie, dies dem Rettungsdienstpersonal vor Ort mitzuteilen.

2. Nutzen Sie die Zeit der Anfahrt, um sich auf eine Ihnen persönlich wohltuende Weise innerlich zu sammeln.

3. Vor Ort angekommen, stellen Sie zu den betroffenen Personen Vertrauen her, indem Sie sich namentlich bei allen Anwesenden vorstellen und sagen, woher Sie kommen.

4. Hinter den Menschen, zu denen Sie gerufen worden sind, liegt in aller Regel eine Zeit, die von großer Unruhe und hektischen Aktivitäten, sowie von bangem Warten geprägt war. Darum ist besonders wichtig, dass Sie nun viel Ruhe ausstrahlen. Ein Satz wie: ,,Ich habe jetzt Zeit für Sie" wirkt oft schon sehr befreiend. Er ist für Sie ein guter Gesprächseinstieg.

5. Verschaffen Sie sich einen Überblick darüber, ob die verstorbene Person noch in der Wohnung ist. In der Regel wird das der Fall sein. Meistens ist aber ein Bestattungsuntemehmen auch schon unterrichtet worden, um den Leichnam abzuholen.

6. Menschen, die ganz plötzlich einen Angehörigen verloren haben, brauchen in der ersten Zeit danach vor allem Hilfen, um das Geschehen als wirklich und real zu begreifen. Es ist für sie oft noch so, als ob sie sich in einem bösen Traum befänden, aus dem sie wieder aufwachen wollen. Aussagen wie z.B., dass man das ganze immer noch nicht fassen könne, werden normalerweise im Gespräch oft wiederholt.
So sanft wie möglich und so deutlich wie nötig müssen Sie die Realität des Geschehenen mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen darstellen. Erst wenn die Realität begriffen ist, ist der Weg der Trauerarbeit möglich.
Die Erfahrung hat gezeigt, dass es für die Angehörigen auf Dauer besser ist, wenn sie den/die Verstorbene/n noch einmal gesehen, ggf. auch berührt haben. Sie sollten darum auf alle Fälle fragen, ob Sie mit den Hinterbliebenen noch einmal zu der verstorbenen Person gehen sollen. Der volkstümliche Rat, man solle jemanden so in Erinnerung behalten, wie man ihn zu Lebzeiten gekannt hat, erweist den Betroffenen zumeist einen Bärendienst.
Selbstverständlich muß respektiert werden, wenn Hinterbliebene ausdrücklich sagen, dass sie ihren verstorbenen Angehörigen nicht mehr sehen wollen.

7. Wenn man Sie gerufen hat, damit Sie zusammen mit den Hinterbliebenen bei dem/der Verstorbenen noch ein Gebet oder einen Segen sprechen, wird man Ihnen dies bald sagen.
Wenn die Angehörigen Sie spontan zu der verstorbenen Person führen, ohne etwas zu sagen,
bedeutet das meist auch, dass sie einen geistlichen Beistand beim Abschied wünschen.
Mindestens sollten Sie in diesem Fall fragen, ob es recht ist, wenn Sie ein Gebet sprechen.

8. Für die betroffenen Menschen ist oft innerhalb von kürzester Zeit eine ganze Welt zusammengebrochen. Das heißt konkret: Es werden unter Umständen Themen, die den Betroffenen wichtig sind, ziemlich chaotisch, ungeordnet und "fetzenhaft" vorgebracht. Sehr persönliche und emotionale Betroffenheiten können sich dabei mit Fragen mischen, die Außenstehenden zunächst "banal" erscheinen mögen (z.B.: "Kann ich die Wohnung mit der Rente halten, die ich kriegen werde?"). Betrachten Sie dies als Abbild des Trümmerhaufens, der im Leben der Betroffenen entstanden ist und seien Sie einfach ein/e geduldige/r Zuhörer/in, um bei den allerersten Aufräumarbeiten mitzuhelfen.
Lassen Sie - gerade in der ersten Phase des Gesprächs - die Menschen selber die Themen bestimmen, über die sie mit Ihnen reden wollen.

9. Weinen und Tränen und gelegentlich auch Schreien sind ein Zeichen dafür, dass sich emotionale Schleusen auftun. Es zählt geradezu zu den Aufgaben des Gespräches, dass es dazu kommt.

10. Vorsichtiger (!) Körperkontakt (leichte Berührung des Handrückens oder der Schulter) signalisiert den Betroffenen in der Regel Solidarität. Es muss aber authentisch sein.

11. Sofern die Betroffenen nicht von selbst andere Familienangehörige oder Freunde anrufen, erfragen Sie im Laufe des Gesprächs, wer benachrichtigt werden sollte.

12. Sie werden normalerweise selber spüren, wann ein Zeitpunkt gekommen ist, an dem Sie sich verabschieden können. Die Betroffenen sind merklich ruhiger geworden; es ist ein anderer Familienangehöriger, z.B. Tochter, Sohn o.ä., eingetroffen; oder man sagt Ihnen sogar ausdrücklich, dass man sich schon besser zurechtfinde.
Es ist hilfreich, wenn Sie, bevor Sie gehen, anbieten, dass Sie den/die zuständige/n Ortspfarrer/in informieren und um einen baldigen Besuch bitten werden.

13. Sie werden in der Regel große Dankbarkeit der Menschen hören, die Sie betreut haben. Sie werden merken, dass dieser Dank wirklich von innen kommt und nicht nur floskelhaft geäußert wird. Es war ein ganz wichtiger Dienst, den Sie versehen haben.

Vergessen Sie bitte nach dem Einsatz nicht, das kurze Einsatzprotokoll auszufüllen. Danke!

Gerrit Funke, Dortmund


Für das Internet bearbeitet von Hanjo v.Wietersheim am 22.07.98.

 

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