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Organspende

Organspende im Zusammenhang mit Notfallseelsorge-Einsätzen:
Hier einige wichtige Informationen zum Thema:
Vorwort von D. Lenzenhuber, BRK 
TransplantationGesetz
Unterlagen KID-Fortbildung

Kommentar zum Thema:  Organspende  

Rettungshubschrauber sorgen meistens für Aufsehen. Spektakuläre Szenen, wie sie in den „Notrufserien“ der Fernsehsender für Einschaltquoten sorgen, ereignen sich auf dem kleinen Landeplatz in der Nähe unseres Krankenhauses meist nicht. Wenn Christoph 36 oder ein anderer Rettungshubschrauber hier landet, sind die Patienten in der Regel schon medizinisch erstversorgt, es geht alles rasch – Übergabe vom Rettungswagen an die Hubschrauberbesatzung, oder umgekehrt.

Manchmal landet auch ein notfallmedizinisches Team ohne Patient, aber mit Koffern und Kühltaschen bepackt und startet später mit denselben Gerätschaften wieder mit unbekanntem Ziel. Insider wissen dann, dass es sich um eine Organentnahme gehandelt hat.

Wer aber ahnt etwas über die Hintergründe? Wer kennt die Schicksale der „Spender“ oder „Empfänger“ ?  Wer weiß etwas über die seelischen Nöte derer, die plötzlich vor eine Entscheidung gestellt werden ?

Da sitzt die  41jährige Frau in einem Besucherzimmer der Intensivstation. Die Fassungslosigkeit hat sie erstarren lassen. Behutsam hält ein Notfallseelsorger ihre Hand. Es ist noch keine 30 Minuten her, dass er ihr in diesem kleinen Raum die erschütternde Nachricht vom Tod ihrer 19 jährigen Tochter überbracht hat. Die fröhliche Geburtstagsfeier, die geplante Fahrt zum Szenetreff der Jugendgruppe, der Blender im Gegenverkehr, der Straßenbaum, die vergeblichen Versuche des Rettungsdienstes, all das ist bereits Vergangenheit. Die Gegenwart lässt manchmal kaum Zeit, wieder im Leben anzukommen.

Der Seelsorger – gerufen um zu trösten, wo es kaum Trost gibt, steht unerwartet vor einer ganz anderen Aufgabe: Er soll vermitteln, soll eine Frage stellen, die kaum über die Lippen will. Eine Frage, die aber auch keinen Aufschub duldet:  „Geben Sie ihr schriftliches Einverständnis zur Organentnahme bei ihrer Tochter ?“

Schon wenn ich darüber schreibe, merke ich wieder, welcher Zerreißprobe da Menschen ausgesetzt sind;  allen voran die Mutter, natürlich auch Ärzte und Schwestern der Station, aber auch der Seelsorger. Fast jeder und jede weiß, wie sensibel die erste Phase der Trauerverarbeitung für Angehörige ist.  Und dennoch – das Leben, was da gerade auf der Intensivstation verloschen ist, kann anderen Leben schenken. Aber es bleibt nur wenig Zeit, für die notwendige Entscheidung.

Nieren können nach entsprechender Behandlung maximal noch 36 Stunden nach Entnahme verpflanzt werden. Herz, Lunge, Leber und Bauchspeicheldrüse können noch nicht dauerhaft konserviert werden und es bleiben nur wenige Stunden für eine erfolgreiche Übertragung.

Für alle Organverpflanzungen gilt:  je kürzer die Zeit zwischen Entnahme und Transplantation ist, umso größer sind die Erfolge.

 

Eine Spannung, die sich nur schwer in Worte fassen lässt.

Vielleicht kennen Sie auch einen Menschen, der jahrelang auf ein Spende-Organ gewartet hat.

Aber wussten Sie, dass etwa 45.000 Menschen in Deutschland nur durch Hilfe der „künstlichen Niere“ überleben? Die Wenigsten haben eine Ahnung davon, wie sehr dies die Lebens-Qualität einschränkt.

Über 11.000 Menschen stehen auf der Warteliste für eine Nierentransplantation.

Mehr als 2000 Menschen, darunter Kinder und Jugendliche erleiden jährlich das Endstadium schwerster Organerkrankungen und ihr Leben kann nur mit Hilfe einer Transplantation gerettet werden.

Auch wenn man all diese Fakten im Hinterkopf hat, fällt einem die Frage an die Mutter der verunglückten jungen Frau nicht leichter. -  Dennoch bin ich überzeugt davon, dass sie gestellt werden muss. Bei allem Respekt vor der Trauer eines Menschen, darf ich die Eltern des anderen jungen Menschen nicht vergessen, deren Kind durch ein Spendeorgan die Chance auf ein besseres Weiterleben bekommen kann. Ich werde hin und wieder gefragt, wie denn in unserer Kirche über solche Fragen nachgedacht wird.

Dabei offenbaren sich oft recht abseitige Vorstellungen von einem „Leben nach dem Tod“. Selbstverständlich gehört die Hoffnung darauf zu den elementaren Grundlagen des christlichen Glaubens. Aber sie steht in merkwürdiger Spannung zu der Phantasie, dass unser Körper dafür möglichst „unbeschädigt“ von dieser Welt kommen muss. Übereinstimmend haben die großen christlichen Kirchen schon im Jahr 1990  erklärt, dass die Bereitschaft zur Organspende nach dem Tod  aus christlicher Sicht ein besonderes Zeichen der Nächstenliebe und Solidarität mit lebensbedrohlich erkrankten oder behinderten Menschen ist:

 

„Wer für den Fall des eigenen Todes die Einwilligung zur Entnahme von Organen gibt,

handelt ethisch verantwortlich, weil er anderen Menschen ein Leben in größtmöglicher Gesundheit und Lebensfreude möglich macht.

Angehörige, die die Einwilligung zur Organentnahme geben, machen sich nicht des Mangels

an Pietät gegenüber dem Verstorbenen schuldig. Sie handeln ethisch verantwortlich, weil

sie ungeachtet des eigenen tiefen Schmerzes entscheiden, anderen Menschen beizustehen und Leben zu retten.“

 

Am Ende wird jede oder jeder selbst, nach eigenem Wissen und Gewissen, entscheiden müssen und jede und jeder Außenstehende hat diese Entscheidung zu respektieren. Und niemand darf sich anmaßen, zu verurteilen, wenn jemand aus guten Gründen „Nein“ zur Organspende sagt.

Im Übrigen ist der beste Weg,  selbst durch eine Erklärung zu Lebzeiten festzulegen, dass nach dem Tod die Bereitschaft zur Organspende besteht. Dann sind im Todesfall die Angehörigen von einer schwerwiegenden Entscheidung entbunden.

 

Wenn sie mehr wissen möchten über dieses Thema, dann können Sie sich ratsuchend an jedes Krankenhaus wenden, vor allem aber an den

Arbeitskreis Organspende, Postfach 1562, 63235 Neu-Isenburg, http://www.akos.de. Dort erhalten Sie auch Vordrucke  für einen eigenen Organspende-Ausweis. Oder Sie wenden sich an ihr nächstgelegenes Pfarramt. Man wird Sie weiter vermitteln.

 

Superintendent Michael Kleemann                                      

Am Dom 18,39576  Stendal, E-Mail: sup-stendal@web.de


Für das Internet bearbeitet am 05.12.2007 von Hanjo v. Wietersheim

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