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Jochen M. Heinecke
Theologische Überlegungen
zur Seelsorge
in der akuten Notfallsituation
Inhaltsverzeichnis
0. Wo stehe ich?
1. Warum kann ich Notfallseelsorge machen?
Worauf kann ich mich verlassen? Eigne ich mich dazu?
1.1 Motivation zur Arbeit als Notfallseelsorger
1.2 Halt in der Arbeit als Notfallseelsorger
1.2.1 Die Zusagen des Vaters (Verheißung)
1.2.2 Die Befreiung durch den Sohn (Rechtfertigung)
1.2.3 Die Begabung durch den Geist (Taufe)
1.3 Eignung des Notfallseelsorgers
1.3.1 Die eschatologische Spannung aushalten
1.3.2 Mit offenen Karten spielen
1.3.3 Sich selbst beteiligen
2. Was sage ich in welcher Gestalt weiter?
2.1 Die Annahme als Voraussetzung der
Notfallseelsorge
2.2 Die Kommunikation als Grundlage der Notfallseelsorge
2.3 Die Lebensrelevanz als Verpflichtung der
Notfallseelsorge
2.4 Der Zukunftsgewinn als Chance der Notfallseelsorge
3. Wie gehe ich mit mir selbst um?
3.1 der Halt
3.2 die Routine
3.3 die Gemeinschaft
3.4 die Sorge für mich selbst
zurück
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0. Wo stehe ich?
Ich sitze in einem Fahrzeug der Feuerwehr. Mit Sondersignal fahre
ich durch die Stadt. Der Einsatz heißt: "Nicht ansprechbare Person auf der XY -
Straße; Notarzt fordert nach; dringend" Mehr weiß ich nicht. Als ich ankomme,
finde ich aufgeregt hantierende Sanitäter, eine weinend auf- und abgehende Frau
und zahlreiche glotzende Menschen vor. "Was mache ich nur?" schießt es mir durch
den Kopf. Der Notarzt stellt mir die Weinende als Ehefrau vor. Hinsichtlich des
Patienten wiegt er auf meine wortlose Frage mit dem Kopf. "Wie gehe ich mit der
Ehefrau jetzt um?" frage ich mich. Ich nehme sie zunächst vor den Blicken in
Schutz in mein Auto. Sie hat Angst. Der Arzt klappt die Tür vom Rettungswagen
zu. Was kommt, sehe ich an seinem Schritt...
Ich stehe vor einer 11.Klasse im Religionsunterricht. Die Lehrerin
hatte mich eingeladen in der Reihe über Tod und Sterben. "Wie stehen Sie dem Tod
gegenüber?" fragt die 17jährige. "Was sagen Sie einem, der auf der Brücke steht
und runterspringen will?" meldet sich ein Junge.
"Warum muss das ein Pfarrer machen, kann das nicht jeder andere
auch: den Menschen beistehen und Ihnen Mut zusprechen?" fragt ein
Rettungsassistent, der vorhat, in seinem Bereich Notfallseelsorge aufzubauen.
"Wie verkraften Sie das alles?" fragt die Hörfunkredakteurin, "kriegen Sie da
Routine?" "Warum machst du das eigentlich?", fragt mich meine Frau.
Fragen über Fragen - und mitten drin ich. Ich bin umgeben von
Fragen, die von außen gestellt werden und die auf Methoden zielen. Ich werde
gefragt nach Inhalten. Und ich bin eingebunden in Fragen, die nach innen zielen
und auch von innen kommen: Fragen nach der Motivation, nach der Legitimation und
nach der Hoffnung. Irgendwelche fernen Leute stellen mir Fragen, auf die ich mit
etwas Übung relativ schlüssig antworten kann. Nahe Menschen und ich selbst
werfen Fragen auf, in denen ich hängenbleibe.
Ich habe versucht, für mich diesen Fragen nachzugehen.
Herausgekommen ist keine neue Theologie der Notfallseelsorge, kein handliches
Rezept, keine Methodologie für Seelsorge in der akuten Notsituation, sonder der
Versuch einer Ortsbeschreibung.
In Jena gibt es einen Ort, der heißt der "Stern". Man steht mitten
im Wald und hat nach mehreren Seiten Schneisen an deren Ende man das eine oder
andere sieht. Mancher Weg ist breit, ein anderer schmal, einer ist gut, ein
anderer schlecht zu erkennen.
Ich möchte meinen Ort im Wald beschreiben und die Schneisen
markieren, die ich sehe. Ich möchte die Orientierungshilfen angeben, die ich für
mich erprobt habe und die Hilfsmittel benennen, die ich verwende. Ich möchte das
tun unter der dreifachen Fragestellung:
Notfallseelsorge - Warum kann ich was wie tun?
Das Warum fragt zum ersten nach der Motivation und dem Grund auf
dem ich stehe und selbst Halt habe. Das Was fragt nach den Inhalten. Das Wie
fragt nach der Eignung und der Gestalt meines Tuns.
Das eine lässt sich nicht schadlos vom anderen trennen. Meine
persönliche Hoffnung bestimmt den Inhalt meines Tuns, meine Motivation wird
Gestalt finden in dem, wie ich rede und handle. Von daher wird die Gliederung
der folgenden Teile bestimmt:
- Warum mache ich Notfallseelsorge? Worauf kann ich mich verlassen? Eigne ich
mich dazu?
- Was sage ich in welcher Gestalt weiter?
- Wie gehe ich mit mir selbst um?
- zurück
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1. Warum kann ich Notfallseelsorge machen? Worauf
kann ich mich verlassen?
Eigne ich mich dazu?
1.1 Motivation zur Arbeit als Notfallseelsorger
Wenn ich an einem stillen Abend nach einem Einsatz noch einmal auf
der Feuerwache vorbeischaue, wähle ich meist den Weg durch die Halle. Ich atme
den Geruch nach Diesel und Öl. Ich sehe auf das glänzende Rot und das
schimmernde Stahlblech der Fahrzeuge. Manchmal setze ich mich ins Fahrerhaus des
Tankers oder betrachte die gewaltige Drehleiter. Ich sehe solche Technik gern.
Ich spüre gern die Kraft und Potenz, die von ihr ausgeht.
Wenn ein Sondersignal in der Stadt ertönt, sehe ich mich um. Ach
ja, da kommt ja der Rettungswagen vom DRK. Ich denke: "Wo sie nur wieder
hinfahren. Hoffentlich mache die anderen alle Platz und es gibt nicht wieder so
einen blöden Motorradfahrer, der vor ihnen herkurvt und ihre Fahrt behindert.
Hoffentlich haben sie nicht wieder so einen vor sich, der vor lauter getönten
Scheiben im Auto nichts sieht und vor lauter Techno-Bässen nichts hört." "Gute
Fahrt!" möchte ich hinterherrufen. Und manchmal säße ich gern selbst mit drin.
Nach dem Einsatz: Wir - Notarzt, Sanitäter und ich - trinken einen
Kaffee am Kiosk und reden noch ein bißchen. "Bis zum nächsten mal!"
verabschieden wir uns. "Macht's gut!" Ich steige in mein Auto und fahre nach
Hause.
Ich habe diese Situationen lieb gewonnen: Der Umgang mit Technik,
die schnelle Fahrt mit Sondersignal, die Gemeinschaft der Helfer - die
Ausstattung mit erhöhter äußerer Potenz und mit Vorrechten und das Gefühl, zu
einem besonderen Menschenschlag, zu den Rettern, zu gehören. Diese Worte, die
hier jetzt vielleicht hochgestochen klingen, relativieren sich für jeden, der
damit zu tun hat. Und doch bleibt an ihnen für mich jedenfalls sichtbar, ein
besonderer Glanz. Sie sind ein wichtiger Teil dessen, warum ich diese Arbeit
machen will.
Ich denke, man muss dieses besondere Verhältnis dazu haben und man
kann zu diesem besonderen Verhältnis stehen. Positiv gedeutet könnte dies ja
auch ein bestimmtes Charisma sein, das den Zugang zu den verschiedenen
Situationen im Rettungsdienst öffnet.
Die Amerikaner Everstine formulieren in ihrem Buch "Krisentherapie"
aus ihrer Erfahrung in Kriseneinsätzen: "Wir wollen...sagen, dass ein Therapeut,
der Krisenintervention betreiben möchte, unabhängig von seinem Alter, einen
gewissen Sinn für das ´Abenteuer´ besitzen sollte."(S. 29) Das hat mir geholfen
dazu zu stehen.
"Abenteuersinn" bedeutet auf der einen Seite all das, was ich oben
beschrieben habe, andererseits verweist es auf eine andere wichtige
Voraussetzung: Der Notfallseelsorger muss sich selbst in Frage stellen können und
sich in Frage stellen lassen.
Keine Situation gleicht der anderen. Kein Raum ist wie der andere.
Einmal arbeiten Sie auf dem Führerstand einer Lokomotive, einmal stehen Sie
nachts oben auf einem Baugerüst, ein andermal sitzen Sie in einem kleinen
überheizten Wohnzimmer oder Sie hocken auf einem Treppenabsatz. Sie haben
schreiende und stumme, gesprächsfähige und apathische Gegenüber, Kinder oder
Alte, Alkoholiker oder emeritierte Professoren gepflegte Witwen und halbnackte
Verletzte. Und von alledem wissen Sie vorher nichts. Es gibt keine Sakristei,
keinen Talar, kein Agende. Es gibt keine verabredete Sprache, keine
innerkirchlich gewachsenen Spielregeln.
In diesen Lagen wird der "Abenteuersinn" wichtig, der es
ermöglicht, sich in diese Zustände hineinzubegeben - ad hoc - ohne lange
Vorbereitungen, ohne sichere Kenntnis des Verlaufs. Ich denke, man muss das gern
machen zusammen mit den anderen Beteiligten, die mit ihren Aufgaben genauso in
die Einsatzsituation hineinkommen. Abenteuersinn und Einsatzfreude sind an
dieser Stelle nichts Verwerfliches. Man muss sich der Begeisterung für den
Rettungsdienst und die Feuerwehr nicht schämen - es könnte ja sein, dass das
gerade die Pfunde sind, die einem gegeben wurden um mit ihnen zu wuchern.
1.2 Halt in der Arbeit als Notfallseelsorger
Einsatzfreude ist wichtig - aber eben nur als ein Teil. Allein kann
sie die Arbeit hohl machen, der platten Selbstbefriedigung Vorschub leisten.
Wenn ich an der Einsatzstelle angekommen bin und allein bleibe mit der Oma und
dem Opa, der nicht wiederbelebt werden konnte trotz aller Mühe und Technik des
Rettungsteams, dann steht die Frage nach dem, was mich weiter hält. Wenn ich im
Haus des Schwiegersohns stehe, an der Seite des Vaters, vor mir zwei ermordete
Enkelkinder, eine ermordete Tochter und den Ehemann, der sich selbst aufgehängt
hat, kommt es sehr darauf an, ob mich etwas hält - mich als Person und mich als
Seelsorger.
Ich möchte nicht Punkte nennen, die mich verpflichten oder weisen.
Manch einer wird seine Motivation vielleicht aus Matth. 25 und dem Verweis an
die Kranken und Gefangenen begründen. Einer macht sich am Beispiel des
barmherzigen Samariters fest. Ein anderer schöpft aus Jesaja 40,1: "Tröstet, ja
tröstet mein Volk", spricht euer Gott.
Ich versuche, mich an den Ermöglichungen und Ermutigungen
festzuhalten.
Ich erkenne drei Bereiche, aus denen mir Kraft zuwächst. Ich habe
sie trinitarisch gegliedert:
1.2.1 Die Zusagen des Vaters (Verheißung)
"Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde." (1Mos 1,1) und
"Solange die Erde steht, sollen Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und
Winter, Tag und Nacht nicht mehr aufhören." (1Mos 8,22) Das ist für mich die
Grundzusage des Schöpfergottes. Gott hat diese Welt gemacht und er hat sie in
der Hand.
Die Rückbindung an den Schöpfer führt als Sinngarant zur Bejahung
des Lebens. Das wird besonders wichtig in solchen Situationen, in denen ich in
ein zerbrechendes Werte- und Ordnungsgefüge gerissen werde. Bei einem Unfall
ändern sich in Sekundenbruchteilen fast alle bisherigen Beziehungen und
Verarbeitungsmechanismen. Der Ehemann ist tot, ein Kind hat schwerste
Verletzungen, die Frau hat Prellungen. Jetzt ist also Zukunft zerstört, die
Vergangenheit taugt nichts mehr. Das Erleben ist auf eine unheimliche Gegenwart
focussiert. In solchen Situationen ist mir die Zusage vom im Letzten ordnenden
und erhaltenden Gott einziger Ankerpunkt.
Der Mensch bewegt sich in der geschaffenen Welt als freies und mit
seinesgleichen kooperierendes Wesen im Bereich der gesamten Schöpfung. "So schuf
Gott den Menschen nach seinem Abbild, nach Gottes Bild schuf er ihn, als Mann
und Frau erschuf er sie." (1Mos 1,27) Das ist meine und meiner Mitmenschen
Lebensmöglichkeit. Von daher ist meine Arbeit der Diesseitigkeit verhaftet. Von
daher höre ich das Zitat aus Rasputins "Abschied von Matjora: "Warum sollten mir
die Menschen nicht leid tun - bin ich doch einer von Ihnen." Ich habe keine
andere Arbeitswelt als die, die ich vorfinde.
Die Verheißung des Schöpfers gilt dem Schwachen und Zerbrechlichen.
Als Beispiel greife ich willkürlich Jesaja 42,3 heraus: "Geknicktes Rohr
zerbricht er nicht, glimmenden Docht löscht er nicht aus; in Treue bringt er das
Recht." Ihnen fallen eigene, ähnliche Aussagen ein. Gottes Verheißung gilt mir
in meiner Schwäche und gilt den. an dem ich gewiesen bin in seiner Not. Sie
kennzeichnet auch meine Arbeit als zartes und mitunter auch zärtliches Tun. Der
beziehungs- und bundeswillige Gott selbst gilt mit diesem Verhalten als
Voraussetzung für meine Arbeit. Noah, Abraham, Mose geben die alttestamentlichen
Modellgeschichten für Bund und Offenbarung. In dem Alten Bund bin ich genauso
gehalten, wie im Neuen Bund.
1.2.2 Die Befreiung durch den Sohn
(Rechtfertigung)
Christologisch gesehen, ist in der Inkarnation Gottes die
Voraussetzung gegeben, als Seelsorger tätig zu werden. In der Fleischwerdung des
Logos ist alle Kommunikation angelegt. Gott tritt mit Menschen in Kontakt durch
menschliche Beziehung. Gott wird erlebbar. Im gemeinsamen Gespräch, im
gemeinsamen und im zugemuteten Handeln entsteht Zukunft. Gott hat Seelsorge so
vorgemacht und ich darf sie nachahmen. "Seid also Nachahmer Gottes als seine
geliebten Kinder, und wandelt in Liebe, wie auch Christus euch liebte und sich
hingab für uns als Gabe und Opfer." (Eph 5,1) Paulus will ich als Ermutigung
verstehen. Eine Verpflichtung zur Liebe gibt es nicht.
Soteriologisch gesehen, steht aus evangelischer Sicht in der Mitte
der Botschaft die Rechtfertigung des Sünders durch Christi Tod. Alles also, was
nur irgendwie geschehen kann, ist letztlich überholt durch die Tat des Christus.
Alles an Leid, was nur irgendwie vorstellbar ist, ist erlitten seit Karfreitag.
Alles, was an Hoffnung ausdenkbar ist, ist geschehen seit Ostersonntag.
Von daher hat die Situation am Notfallort ihre Zentrierung für
mich. In dem Gemenge von Krankheit und Schuld, das einem begegnet, steht die
rechtfertigende Tat Christi gewissermaßen als Wegweiser und Licht aufgerichtet.
Römer 8, 31ff. ("Nichts kann uns scheiden von der Liebe Gottes, die ausgegossen
ist in Jesus Christus...") will ich anführen für die eigenen Erfahrungen, die
sich hinter diesem Text verbergen. Besonders konkret erfahrbar werden in der
Extremsituation der Tod, die Mächte, das Gegenwärtige, das dunkle Zukünftige und
auch die erschreckende Tiefe (VV 38ff.).
Die Luther-Ausgabe überschreibt den Teil mit: "Geborgen in der
Liebe Gottes." Konkretion erfährt das durch die Gegenwart des Auferstandenen,
die im Miteinander erfahrbar ist. Erinnert sei hier an Matth 18, 20 und an die
Emmaus - Geschichte (Lk 24, 13ff.) in ihrem Prozess.
1.2.3 Die Begabung durch den Geist (Taufe)
Besonders wichtig geworden ist mir die Tauferinnerung. Durch die
Taufe bin ich als Teil der neuen Schöpfung mit dem Schöpfergott und seiner
Ordnung verbunden. Ich bin durch Sterben und Auferstehen im Element des Wassers
hineingenommen in die Befreiung durch Jesu Tod und Auferweckung. Und ich bin
ausgerüstet mit der Gabe des Heiligen Geistes.
Der so bezeichnete Geist ist "der Beistand, den der Vater senden
wird in meinem (Jesu) Namen." (Joh 14, 26a) Dieser Geist schafft die Verbindung
zu Christus, zu seinem Reden und Tun - "er wird euch alles lehren und euch an
alles erinnern, was ich euch gesagt habe." (Joh 14,26b) In keiner Situation bin
ich eigentlich allein, ich habe immer einen vollmächtigen Beistand.
Nicht nur in der Situation der Verteidigung vor Behörden und in
Synagogen, sonder erfahrenermaßen auch in den Situationen gleicher Unsicherheit,
Unwägbarkeit und Unvorhersehbarkeit gilt der Lukassatz: "der Heilige Geist wird
euch in jener Stunde lehren, was ihr sagen sollt." (Luk 12,12). Das schmälert
nicht die Notwendigkeit gründlicher Ausbildung, begleiteter Reflexion und
gewissenhafter Vorbereitung. Es mindert auch nicht die Verantwortung dem
Menschen und der Situation gegenüber, aber es lässt den dadurch entstehenden
Druck leichter ertragen.
An dieser Stelle gleichermaßen geltend für alle drei Haltepunkte
die Erinnerung an die johanneische Erfahrung: "Der Wind weht, wo er will" (Joh
3, 8) und an die paulinische Erkenntnis, dass "wir diesen Schatz haben in irdenen
Gefäßen" (2Kor 4,7). Alles was ich habe , habe ich nicht als beatus possidens.
Diese Erfahrung mache ich oft.
Das redet einer gründlichen Ausbildung zum Beispiel in Klinischer
Seelsorge (CPT) das Wort, verweist andererseits aber auch auf das verbum
externum, ohne das vollmächtige Seelsorge nicht geleistet werden kann.
1.3 Eignung des Notfallseelsorgers
Ich werde gefragt, wie ich denn dem Tod gegenüberstehe.
Eigenartigerweise hat mich das als Gemeindepfarrer mit über 400 Beerdigungen in
zehn Jahren niemand gefragt. Vielleicht gewinnt der Tod erst seine
Schreckensgestalt für den außenstehenden Betrachter, wenn er einbricht in die
Lebenswelt, "plötzlich und unerwartet, für uns alle noch zu früh...".
Ich höre die Erwartung eines Rezepts und zugleich das Wissen um die
Begrenztheit desselben. Ich spüre die Sehnsucht in mir, nach einer Linie, einer
Agenda, nach Gelassenheit und merke gleichzeitig schwarze Ohnmacht neben dem
toten Kind und maßlose Wut auf den mordenden Vater.
Ich erlebe beglückend, wie in einem gemeinsamen Gebet oder Gespräch
mit der Oma Kraft und Sicherheit wächst. Sie kann die Erfahrungen der Bewahrung
auf dem Treck aus Schlesien fruchtbar machen am Bett ihres Mannes, mit dem sie
50 Jahre verheiratet war und auf den sie nach dem Krieg so lange gewartet hatte.
Und ich erlebe meine umfassende Unfähigkeit, etwas zu sagen gegenüber der Frau,
deren 14jähriger Sohn eben gestorben ist.
1.3.1 Die eschatologische Spannung aushalten
Ich denke, es gehört zu den unabdingbaren Voraussetzungen des
Notfallseelsorgers, diese Spannung auszuhalten. Sie ist nicht auflösbar.
Ich kann nicht bestimmen, wann "schon" und wann "noch nicht" ist. Ich kann weder
das Eschaton vorwegnehmen noch mir vor dem "Seufzen und den Wehen der Schöpfung"
(Röm 8, 20) die Augen und Ohren zuhalten. Sie sind ja Teil meiner selbst. Es ist
wichtig, den eigenen Stand an dieser Stelle zu finden und genau zu prüfen, ob
man selbst bereit und voraussichtlich in der Lage ist, diese Spannung
auszuhalten.
1.3.2 Mit offenen Karten spielen
Ich kann mit nichts anderen, als mit dieser Spannung einem anderen
in seiner Not gegenübertreten. Die zweite unabdingbare Voraussetzung des
Notfallseelsorgers ist demzufolge seine Ehrlichkeit, Glaubwürdigkeit und
Zuverlässigkeit, oder um es mit einem anderen Begriff auszudrücken, seine
Authentizität
in der jeweiligen Situation. Diese Voraussetzung des Seelsorgers verweist
wiederum auf eine klinische Seelsorgeausbildung, die diese Möglichkeiten
trainieren will. Sie erinnert aber andererseits an die Ermöglichung der
Glaubwürdigkeit in und durch seine Taufe.
1.3.3 Sich selbst beteiligen
In der Notfallsituation ist als dritte Voraussetzung des
Seelsorgers die eigene Beteiligung mehr als anderswo erforderlich. In
diesem Zusammenhang erinnere ich auch an den besprochenen Abenteuersinn. Die
Beteiligung wird sich nach den Regeln richten, die unter dem Stichwort
"Empathie" verborgen sind, d.h. er wir auf die Situation eingehen müssen, ohne
in ihr aufgehen zu dürfen.
Der Seelsorger wird in einer Krisensituation mehr als sonst nach
seinen eigenen Erfahrungen mit dem, was er zusagen will, gefragt. Er wird an
seinem persönlichen "Zeugnis für das Evangelium von der Gnade Gottes" (Apg
20,24) behaftet. Bedient sich der Seelsorger vor Ort anderer als eigener Worte,
was manchmal notwendig und sinnvoll ist, so darf er das nur soweit, als er
selbst mit diesen Worten Erfahrungen gemacht hat. Verletzte haben ein genaues
Gespür, Gemeintes und Gesagtes zu unterscheiden oder deren Übereinstimmung
wahrzunehmen.
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2. Was sage ich in welcher Gestalt weiter?
Nachdem ich mich so ausgiebig bei mir selbst umgeschaut habe, nach
Gründen, Wurzeln und Trieben gesehen habe, will ich versuchen, vier Stichworte
zur Kennzeichnung der Seelsorge in der konkreten Notfallsituation zu benennen,
nämlich:
Die Annahme als Voraussetzung der Notfallseelsorge
Die Kommunikation als Grundlage der Notfallseelsorge
Die Lebensrelevanz als Verpflichtung der Notfallseelsorge
Der Zukunftsgewinn als Chance der Notfallseelsorge
2.1 Die Annahme als Voraussetzung der Notfallseelsorge
Der Mensch, der uns in häuslicher oder öffentlicher Notsituation
begegnet, ist immer ein verlorener Mensch. Durch eigene und/oder fremde Schuld
ist er dahin gekommen, wo er ist.
Ich denke, dass es keinen simplen und geraden
Schuld-Ergehen-Zusammenhang gibt. Sicher trägt der konkrete Mensch manchmal zu
seiner konkreten Situation bei, manchmal ist er vielleicht sogar schuld an
seinem Leid. In der Kinderklinik habe ich auf der onkologischen Station gelernt,
neu über kollektive Schuld nachzudenken. Kinder ertragen in ihrem Krebsleiden
die Unrast, Hektik, Entfremdung, Isolation in unserer Gesellschaft. An ihnen als
schwächsten Gliedern bricht sich die Frucht der Schuld des Gemeinwesens Bahn und
macht sie zu Opfern. Insofern würde ich Krankheit und Unfall, körperliche und
seelische Versehrtheit immer auch als Folge der Entfremdung vom Grund des
Lebens, grundsätzlich also als Wirkung der Hybris verstehen wollen. Ganz
deutlich möchte ich mich aber nochmals von einem gesetzlich - mechanistischen
Schuld-Ergehen-Zusammenhang abgrenzen.
Wie kann ich weiter- und überleben in solch einer schuldigen Welt,
deren Teil ich ja auch bin? Die göttliche Annahme des entfremdeten Menschen ist,
denke ich, die Voraussetzung und der Grund aller Seelsorge. Damit kommt die in
der Inkarnation Gottes vorgeformte Bewegung beim konkreten Gegenüber an.
"Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns" (Joh 1,14), so
bezeichnet Johannes den Vorgang. "Darin wurde die Liebe Gottes an uns sichtbar,
dass Gott seinen eingeborenen Sohn in die Welt sandte, damit wir leben durch
ihn." (1Joh 4,9) greife ich willkürlich als Beispiel der Briefliteratur heraus.
Von diesem Gottesbild her erweist sich das Modell einer
partnerzentrierten Seelsorge als für die Notfallseelsorge am brauchbarsten. Die
Praxis der Psychotherapie der Annahme des Ratsuchenden ohne Moralisierung, kann
dabei Vorbild sein.
Ohne liebende Annahme ist Veränderung nicht möglich. Insofern liegt
der Schwerpunkt in der Seelsorge auf der Verkündigung, der Erfahrbarmachung des
sich selbst schenkenden Gottes. Von daher ergibt sich auch das seelsorgerische
Angebot an alle Menschen ohne Ausgrenzung über den kirchgemeindlichen Rahmen
hinaus.
Nicht ohne Auswirkung dürfte diese Auffassung auf das
Amtsverständnis bleiben. Pastorale Züge sind verstärkt gefragt. Dem Hirtenamt
kommt größere Bedeutung zu als den Anteilen der Repräsentation oder des
Gemeindeaufbaus. (Der gute Hirte (Joh 10, 11ff.) gibt sein Leben für die Schafe.
Insofern könnte man seine Sorge als "schafzentriert" bezeichnen.)
2.2 Die Kommunikation als Grundlage der Notfallseelsorge
In der akuten Notfallsituation ist das Gewicht der Betrachtung der
Gegebenheiten für die Betroffen verschoben zugunsten des Erlebens und der
Emotionen. Weniger werden rationale oder intellektuelle Verarbeitungshilfen
angewandt, da sie außerdem, wie schon erwähnt in der Krisensituation auch nur
mangelhaft oder gar nicht zur Verfügung stehen. Denn gerade das zeichnet eine
Krise aus, dass das seelische Gleichgewicht des Betroffenen derart gestört ist,
dass die gelernten Muster allein nicht mehr zur Bewältigung des verunsichernden
Ereignisses ausreichen.
Wichtig wird also eine Beziehung die über die eine Form "Gespräch"
hinausgeht. Diese komplexe Beziehung insgesamt würde ich als Methode und Ziel
der Notfallseelsorge analog zur Psychotherapie bezeichnen. Damit ist aber
Seelsorge nicht nur Therapie in kirchlichem Umfeld, sondern Sichtbarmachen des
redenden und handelnden Gottes. Vom Bundes- und Offenbarungswillen Gottes hatte
ich schon gesprochen (1.2.1). Das Evangelium kann weitergesagt werden im Medium
der Beziehung zwischen Klient und Seelsorger.
Das geschieht in vielfältiger Form: zum einen sicher durch Zuhören
und Verbalisieren, wie es die klientenzentrierte Gesprächspsychotherapie im
Gefolge von Rogers lehrt. Zum anderen aber auch durch die Formen non-verbaler
Kommunikation, wie Umarmen, Streicheln, Schweigen, Stützen, Einfach-da-sein. Ich
erfahre gerade an dieser Stelle eine großartige Erweiterung meines Horizontes
hinsichtlich der möglichen Formen, miteinander Beziehung auszudrücken.
Eine große Bedeutung haben die Elemente Zuspruch und Trost. Ich
erinnere hier wieder an die Authentizität des Seelsorgers (1.3.2). Die Qualität
der Beziehung ist maßgebend für die Qualität des Trostes. Ich möchte
ausdrücklich Mut machen zum - auch direktiven -Weitersagen eigener, durch den
persönlichen Glauben gedeuteter Lebenserfahrungen, vielleicht einer theologia
crucis als ein Stück erfahrener und durchlittener Wirklichkeit und ein erlebtes
Vertrauen auf eine Erfahrung des Paulus "Es genügt dir meine Gnade; denn die
Kraft kommt in der Schwachheit zur Vollendung." (2Kor 12,9).
Die Kommunikation durch Gebet und Sakrament kann die Beziehung
zwischen Klient und Seelsorger um die Beziehung zu Gott erweitern. Aus der
Strecke zwischen Zweien wird eine dreieckige Fläche zwischen drei Beteiligten.
Zur Horizontalen kommt die Vertikale.
Dabei darf sich das eine nicht vom anderen lösen. Horizontal ist
die Beziehung der Diesseitigkeit verpflichtet. das will ich im nächsten Punkt
andeuten. Vertikal ist die Beziehung zukunftsseitig geöffnet. Darüber will ich
im übernächsten Punkt reden.
2.3 Die Lebensrelevanz als Verpflichtung
der Notfallseelsorge
Zuspruch und Trost nützen niemandem, wenn sie nicht an der
Lebenswirklichkeit des Tröstenden und des zu Tröstenden orientiert sind. Kein
Betroffener wird allein mit aufgesagten Worten etwas anfangen können. Er
braucht, wie oben gezeigt die seelsorgerliche Beziehung. Diese Beziehung
charakterisiere ich als eine helfende, d.h. der Seelsorger beteiligt sich an der
Suche nach einer situationsgerechten, konkreten Lösung der den Klienten
ängstigenden Gegebenheiten.
Spätestens hier kommt der politische Aspekt von Notfallseelsorge
zum Vorschein. Ich beobachte verstärkt, dass ich zu Einsätzen gerufen werde, bei
denen der Grund für eine psychische Krisensituation, z.B. einen drohenden
Suizid, in der Arbeitslosigkeit und der daraus folgenden Entwertung des Menschen
zu finden ist. Wir haben in Jena zur Zeit (Januar 1996) eine offizielle
Arbeitslosenquote von etwa 15%. In einer Gesellschaft, die den Wert eines
Menschen nur über Arbeit und Leistung definiert, sind solche Entwicklungen
vorprogrammiert. Das Bearbeiten der Symptome ist notwendig, aber es macht
hilflos. Eigentlich müßte am gesellschaftlichen Umfeld die Änderung ansetzen.
Mitunter sind weder Kontexte änderbar, noch ist der Klient in der
Akutphase zu eigener Beteiligung an der Lösungssuche in der Lage. Konkrete
Hilfsangebote sind deshalb nicht unter der Würde des modernen Seelsorgers. Ich
beziehe mich dabei auf die Geschichte, die Jesus von einem Samariter erzählt.
Der "zog" nach der Grundversorgung "zwei Denare heraus, gab sie dem Wirt und
sagte: Trag Sorge für ihn, und was du darüber noch aufwendest, werde ich dir auf
dem Rückweg bezahlen." (Luk 10,35) Telefonierenkönnen ist für viele Menschen
ebenso wichtig, wie Gefahrenwerden zu einem Angehörigen. Dadurch geschieht
manchmal mehr als durch noch so wohlgesetzte Worte.
2.4 Der Zukunftsgewinn als Chance der Notfallseelsorge
Als Bewegung von der Starre zur Prozesshaftigeit, von der Rigidität
zur Flexibilität möchte ich das Anliegen und die Chance der Notfallseelsorge
bezeichnen. Darin liegt der Zukunftsgewinn für den Klienten und anteilig auch
für den Seelsorger. Wenn Hilfe zur Selbsthilfe gelingt, ist das Tor für weitere
Entwicklungen zum Heilwerden aufgestoßen.
Dabei geschieht das in und durch Räume, die der Notfallseelsorge
eigen sind, und die anders nicht zur Verfügung sind:
Der kleine Raum:
Zukunft wird gewonnen, wo Vergangenheit bearbeitet wird. Schuld
wird überwunden durch zugesprochene Vergebung. Ich erlebe eine Aufwertung der
Beichte. Das Beichtgeheimnis ermöglicht einen geschützten, geborgenen kleinen
Raum, in dem einer seine Fragen, Selbstvorwürfe und auch realen Verfehlungen
aussprechen kann. Ich bin froh, dass ich diesen Raum als Pfarrer mitbringen kann.
Der große Raum:
Zum einen versuche ich mein Gegenüber in heilsgeschichtlichem
Horizont zu sehen. Ich sehe ihn auch in letzter Perspektive, d.h. im Horizont
von Gericht und Gnade. Das öffnet den Raum, in dem ich arbeite auf Gottes
Barmherzigkeit, auf seinen Frieden hin. Dieser Friede Gottes übersteigt alles
Begreifen. (Phil 4,7) Insofern bringe ich einen großen Raum mit. Die Bewegung in
diesen Bereich kann Zukunft eröffnen, weil sie aus der Enge herausführt und neue
Betrachtung und damit Veränderung ermöglicht.
Zum anderen geschieht nicht zuletzt Zukunftsgewinn auch durch mein
priesterliches Tun. Wenn ich am Unfallort bin, ist auch Gott dort. Sicher, er
ist schon vor mir da. Aber da er mich als Werkzeug gewählt hat - zumindest gehe
ich in meinem Amtsverständnis davon aus -, bin ich sein sichtbarer Vertreter.
damit ist durch mich - einfach durch mein Dasein als Pfarrer - das ewige Leben
präsent. Ich bin der Botschafter des Lebens am Ort des Todes. Damit ist wieder
eine Raumveränderung und -erweiterung gegeben, die Zukunft ermöglichen kann
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3. Wie gehe ich mit mir selbst um?
Mit diesem letzten Punkt will ich den Bogen wieder schließen und
wieder bei mir selbst ankommen. "Wie halten Sie das aus?", lautet die oft
gestellte Frage, die ich im Rückblick auf ein Jahr intensiver
notfallseelsorgerlicher Erfahrungen folgendermaßen beantworten will.
3.1 der Halt
Dazu verweise ich auf all das, was ich am Anfang zu Verheißung
(1.2.1), Rechtfertigung (1.2.2) und Taufe (1.2.3) ausgeführt habe. Die
Entfaltung dieser drei Grundelemente bildet das Rückgrat meines Lebens und
Arbeitens.
3.2 die Routine
Dankbar beobachte ich an mir inzwischen ein Stück Routine. Ich
denke, genauso berechtigt wie die Gemeindeglieder von einem Pfarrer erwarten,
sicher durch eine Beerdigung zu führen, erwarten Menschen am Einsatzort einen
Seelsorger der Logistik und Strukturen des Einsatzgeschehen kennt. Sosehr ich
mich ergreifen lassen will von der Lage des Einzelnen, so deutlich ist mir
geworden, dass die Situation für ihn einmalig für mich aber eine von vielen ist.
Ich versuche dazu zu stehen und es nicht als eine Entwertung des Betroffenen und
seiner Not aufzufassen, sondern es als die Chance zu begreifen, ihm in seiner
speziellen Situation Gegenüber sein zu können. Durch Routine wird die
Wahrnehmungsfähigkeit des Wesentlichen gefördert.
3.3 die Gemeinschaft
Seelsorge für den Seelsorger geschieht in der Gemeinschaft. Ich
brauche das Gespräch über das Erlebte zu Hause mit meiner Frau, auf Arbeit mit
meinen Freunden, dem Notärzten und den Feuerwehrleuten und in der Zeugnis- und
Dienstgemeinschaft mit Brüdern und Schwestern. Ich brauche professionelle
Supervision innerhalb meiner Arbeitszeit.
3.4 die Sorge für mich selbst
Im Gemeindepfarramt habe ich eine starke Belastung in der Breite
erlebt. Eine Gemeindeveranstaltung hetzte die andere - von der Christenlehre zur
Beerdigung und zurück zu den Konfirmanden... Die Lebenskreise, mit denen ich zu
tun hatte, waren überaus vielgestaltig.
Jetzt begegnen mir Situationen die mir - im Bild - bei gleicher
Belastung spitzer unter die Haut gehen. Ich bin weiter innen betroffen und
angefragt. Es kommt fast immer ganz Grundsätzliches zur Sprache.
Deshalb versuche ich diese Belastung zu verdünnen. Ich muß viel
spazierengehen, ich treibe Sport, ich verbringe viel Zeit mit meiner Familie.
Anders halte ich das nicht aus.
"Sentimental work" deutet an: Ich arbeite mit meiner Seele. Ein
Uhrmacher, der an die Hände friert, weil er in der Eiseskälte eine Turmuhr
repariert hat, wird sich Handschuhe anziehen. Bevor seine Hände nicht
warmgeworden sind, wird niemand von ihm verlangen, eine Taschenuhr zu
inspizieren.
Ich erlebe viele Situationen, in denen meine Seele friert. Und ich
denke, ich habe die Pflicht, sie zu wärmen.
"Wenn ihr indes das königliche Gebot erfüllt, dem Schriftwort
gemäß: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, so verhaltet ihr euch recht." (Jak
2,8)
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Zuletzt überarbeitet von Hanjo v.Wietersheim am 9.10.97.
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